Daß Kometen von der Sonne nach und nach aufgelöst worden sind, dafür haben wir eine ganze Anzahl von Beweisen. Zu ihnen gehört zum Beispiel der sogenannte »Bielasche Komet«, – benannt nach dem österreichischen Hauptmann Biela, der die Bahn des Schweifsternes um die Sonne herum berechnete. Dieser Komet teilte sich erst vor den Augen der Astronomen in zwei Teile und erschien dann gar nicht mehr. Die Astronomen vermuteten, daß die Sonne ihn nach und nach aufgelöst habe und daß die aufgelösten Teilchen über die ganze Bahnstraße, in der der Komet um die Sonne lief, zerstreut worden seien. Diese Annahme war richtig, denn als in der Nacht vom 27. zum 28. November 1872 unsere Erde die mit aufgelösten Teilchen besäte Bahn des »Bielaschen Kometen« um die Sonne durchschnitt, da entzündete sie die Teilchen, und wir sahen in jener Nacht einen wundervollen Sternschnuppenfall. Die kleinen Teilchen, in die sich der »Bielasche Komet« aufgelöst hatte, rieben sich nämlich am Luftmantel der Erde und erhitzten sich infolgedessen so stark, daß sie zu glühen begannen. Sie verglühten und vergasten, und wir sahen dies als Sternschnuppen!


Sternschnuppen und Meteore.

Sternschnuppen sind also nichts anderes, als die Überreste zerfallener Kometen. Sternschnuppen und Kometen sind demnach miteinander verwandt. Ebenso wie die Sternschnuppen der »Bieliden«, die um den 27. November stets bisher zur Erde niedergingen, mit dem »Bielaschen Kometen« verwandt sind, so sind es die Auguststernschnuppen, und zwar sind diese verwandt mit einem Kometen des Jahres 1862. Die Aprilsternschnuppen wiederum sind mit dem Kometen des Jahres 1861 verwandt.

Wenn man die Flugrichtung der Sternschnuppen nach rückwärts zu verlängert und diese Flugrichtung in eine Sternkarte einträgt, findet man, daß alle Sternschnuppen eines bestimmten Schwarmes aus einem gemeinsamen Ausgangspunkte herzukommen scheinen. Diesen gemeinsamen Ausgangspunkt nennen wir den Radianten. Er liegt stets in einem Sternbilde. So liegt der Radiant der »Bieliden« im Sternbilde der »Andromeda«. Deshalb nennt man den ganzen Schwarm der Bielieden auch die »Andromediden«. Der Schwarm der Augustmeteore (der Auguststernschnuppen) liegt im Sternbilde des »Perseus«. Man nennt darum den ganzen Schwarm die »Perseiden«! –

Außer den Sternschnuppen kennen wir am Himmel noch andere Erscheinungen, die blitzartig auftauchen, oft mit einem lichten Schweife ein Stück über den Himmel dahinziehen und nicht selten mit Getöse und Sprühfeuer zerplatzen.

Diese »Himmelsraketen« nennt man Bolide, Feuerkugeln oder auch Meteore. Sie bestehen entweder aus nickelhaltigem Eisen oder aus Gesteinsmassen und haben oft ein enormes Gewicht!

So wurde bei Ovisak in Grönland ein solcher, vom »Himmel gefallener Stern« gefunden, der 25 000 Kilogramm wog.

Der Nordpolfahrer Roß entdeckte in Grönland einen anderen Eisenblock, der vom Himmel gestürzt war. Dieser schmückt heute das naturhistorische Museum zu Newyork und wiegt 40 000 Kilogramm. Solche Weltentrümmer, die wir Meteoriten nennen und die nichts mit den Kometen gemeinsam haben, sondern aus fernen Räumen des Weltalls kommen, können unserer Erde sehr wohl einmal gefährlich werden! Ein kilometerlanges Stück einer solchen außerirdischen Masse könnte sehr wohl die Lebewesen des Erdballes in unheilvoller Weise gefährden. –

Der berühmte schwedische Physiker, Svante Arrhenius, ist der Meinung, daß sich aus Kometen und Meteoren neue Himmelskörper bilden können.