In jungen Jahren, als ich getreu den Worten im Liede der »Preciosa« die »Sterne noch nicht begehrte«, habe ich mir doch manchmal den Kopf darüber zerbrochen, wie weit die »Lichter am Himmel« von uns entfernt sein mögen!
Solche Gedanken kamen mir, wenn ich an einem klaren Winterabend von den Großeltern aus dem Nachbardorfe nach Hause zurückkehrte. Ich mußte dann stets eine Stunde lang über freies Feld gehen, und meine kindliche Seele war entzückt und erfreut über das wundervolle Bild des sternenbesäten Himmels, der sich über dem Bergtale ausspannte.
Im Hause angekommen befragte ich den Vater; aber der vermochte mir auf meine Fragen nicht so Rede und Antwort zu stehen, wie ich es mir wünschte, und so mußte ich Geduld haben, bis zu einer späteren Zeit. Diese kam und mit ihr manche Erklärung dessen, was mir in der Jugend geheimnisvoll und rätselhaft war, was Jahre hindurch wie ein Traum über meiner Seele lag.
Heute weiß ich, daß der nächste Stern am Himmel, – der nächste Nachbar unserer großen Sonne, – am südlichen Himmel steht. Die Astronomen haben ihn »alpha centauri« genannt, weil diese Sonne, – eine Schwester der unsrigen, – im Sternbilde des »Centauren« leuchtet.
Wollten wir eine Reise nach jenem Sterne unternehmen, dann müßten wir, wenn das möglich wäre, Millionen von Jahren alt werden. Als wir unsere Sonne beschrieben, hörten wir, daß sie zwanzig Millionen Meilen von unserer Erde entfernt ist. Das ist ein sehr weiter und langer Weg; aber der Pfad nach dem Sterne alpha im Bilde des »Centauren« ist 225 000mal weiter.
225 000mal 20 Millionen Meilen Weges, – das ist eine riesenhafte Entfernung.
Als wir von den Monden des Planeten Jupiter in unserem Sonnenreiche sprachen, erfuhren wir, daß sie einem Astronomen ein Mittel boten, zu berechnen, welche Wegestrecke das Licht in einer Sekunde zurücklegt 300 000 Kilometer sind es oder etwa 45 000 deutsche Meilen! Mit dieser »Einheit« haben wir die Räume unseres Sonnenreiches vermessen und festgestellt, daß der Mond 50 000 Meilen von uns, Jupiter 100 Millionen, der Neptun aber 600 Millionen Meilen von der Sonne entfernt ist.
Mit der Maßeinheit: »300 000 Kilometer« kommen wir aber in den Räumen der nächtlichen Sterne nicht aus. Wir müssen uns deshalb nach einer anderen Maßeinheit umsehen.
Zwischen zwei Schlägen unseres Herzens umkreist der Lichtstrahl beinahe achtmal unseren Erdball. Wir zerlegen eine Stunde in Sekunden, und erhalten die Zahl 3600. Wir zerlegen weiter einen Monat in Sekunden und die Summe, die wir in der Rechnung erzielen, wird enorm groß sein. Noch größer aber wird sie werden, wenn wir ein Jahr in Sekunden zerteilen! Wir multiplizieren diese Summe nun mit 300 000 Kilometern und erhalten so den Weg, – in Kilometern ausgedrückt, – den das Licht in einem Jahre zurücklegt. Diese Wegstrecke ist die »Einheit«, mit der wir die Sternenräume und die Entfernungen der einzelnen Sterne voneinander ausmessen. Diese Maßeinheit heißt das »Lichtjahr«! Wenden wir sie nun auf die Entfernung unserer Sonne vom Sterne alpha im Bilde des »Centauren« an, dann hören wir, daß das Licht 4½ Jahre unaufhörlich eilen muß, ehe es von dort bis zu uns gelangt!