Die Astronomen sagen, der Stern »alpha centauri« am südlichen Himmel ist 4½ Lichtjahre von uns entfernt!
Würde der Stern alpha im Bilde des »Centauren« in dieser Stunde erlöschen, wir erführen das nicht sofort, sondern erst nach 4½ Jahren, denn solange ist das Licht von dort bis zu uns unterwegs.
Daß das Licht von jenem Sterne überhaupt zu uns gelangt, daran ist der Äther Schuld! Er ist der »unsichtbare Draht«, auf dem die »Lichtdepeschen aus der fernen Sternenwelt« zu uns gelangen. Dieser Äther ist ein überaus feiner Stoff, dessen Dasein wir nur annehmen, jedoch ihn sichtbar nicht nachweisen können. Er füllt ganz bestimmt die Räume zwischen den einzelnen Sternen aus und stellt vielleicht den Urzustand des Stoffes dar, aus dem sich einst alle Weltkörper, die heute in den Tiefen des Raumes funkeln, bildeten und noch bilden werden. Der Äther wäre also das »große Meer«, in dem die »Sternenschifflein« schwimmen! –
Am Maßstabe des »Lichtjahres« gemessen, hören wir weiter, daß der Sirius, – die hellste Sonne an unserem Winterhimmel, – acht Lichtjahre, der Polarstern achtzig Lichtjahre, die schöne Wega im Bilde der »Leier« 96, – nach anderen 46 Lichtjahre, – und der im rötlichen Lichte schimmernde Arktur im Sternbilde des »Bootes« 137 Lichtjahre von uns absteht.
Würde in dieser Stunde der »Stern am Pole« sein Licht verlieren, die Schiffer auf dem Meere stellten noch volle achtzig Jahre lang den Kurs ihrer Schiffe nach ihm ein, und solange, bis der letzte Lichtstrahl nach achtzig Jahren von ihm aus zu uns gelangt wäre! Dann würde der Polarstern erst für uns erloschen sein, eher nicht!
Tafel 12.
Die schöne Sterngruppe der »Plejaden« im Bilde des »Stieres«.
(Originalaufnahme. Photographiert von Prof. Barnard, Yerkessternwarte U. S. A.)
Ohne jeden Zweifel sehen die Astronomen mit ihren Fernrohren noch immer zu Sternen am Himmel auf, die längst erloschen sind; aber der letzte Lichtstrahl ist bei uns von ihnen noch nicht eingetroffen. Mithin sind sie für unseren Anblick auch noch nicht verschwunden! Ganz sicher sind schon zahllose Sonnen aus den Nebeln, die wir im ersten Kapitel dieses Buches kennen lernten, hervorgegangen; aber wir sehen sie in unseren Teleskopen noch nicht als Gestirne, weil der erste Lichtstrahl, den sie lange schon aussandten, bei uns noch nicht angelangt ist.