Das Sternenlicht redet eine gar wunderbare Sprache, die immer und überall den preist, der die Sterne erschuf und der jene Harmonie über seine Schöpfung legte, die den Kundigen am Firmamente in grenzenloses Erstaunen versetzt! –

Mag der Naturforscher mit dem Mikroskop noch soviel Wunderbares entdecken, mag er noch soviel Schönheit und Reichtum an Formen unter seinen geschliffenen Gläsern auf Erden erblicken, das, was uns Fernrohr, Spektroskop und photographische Platte am gestirnten Himmel offenbaren, ist viel großartiger, viel wunderbarer und weihevoller! Gerade deshalb hat man ja auch die Astronomie die »Königin der Naturwissenschaften« genannt! Sie öffnet dem menschlichen Auge und der Seele die Tür zur Werkstatt des Schöpfers!

Ist der Abend angebrochen und beginnt die Nacht ihre schwarzen Schwingen auf die Erde zu legen, dann öffnen die Sterne am Firmamente ihre kleinen Fenster und äugen zu uns hernieder! Immer einer nach dem andern kommt mit seinem Lichte!

Erst erscheinen nur wenige. Es sind die hellsten Sterne, dann kommen immer mehr zum Vorschein und, – wenn es ganz dunkel geworden ist, – sieht der nächtliche Himmel aus, als wäre er mit lichten Punkten übersät!

Durch all' diese Lichter an ihm windet sich ein zarter mattschimmernder Schleier. Es ist die geästelte Milchstraße, – ein »Wasserfall« von glitzernden »Sonnen-Tropfen«, wenn wir irdisch und poetisch von ihr reden wollen! –

Der Laie, der noch nie durch ein Fernrohr zum Himmel aufschaute und auch sonst von den Errungenschaften der Astronomie wenig gehört hat, nimmt stets an, daß die Zahl der Gestirne, die wir mit dem bloßen Auge erblicken können, unbegrenzt sei!

Das ist aber ein arger Irrtum, denn wir sehen mit dem bloßen Auge am ganzen Himmel nicht mehr als 5719 Sterne und von diesen in unseren nördlichen Gegenden nur die Hälfte, denn die 5719 Sterne verteilen sich auf beide Himmelshemisphären, – auf die nördliche und die südliche! –

Wir erblicken also bei uns nur allerhöchstens 3000 Sterne am Nachthimmel!

Diese, mit dem bloßen Auge sichtbaren Sterne teilt der Astronom, – nach dem Grade ihrer Helligkeit, – in sechs Klassen ein, und zwar in der Weise, daß er in die erste Klasse die hellsten, in die zweite Klasse die weniger hellen und in die sechste Klasse endlich die Sterne zählt, die gerade noch so hell sind, daß er sie mit dem bloßen Auge erkennen kann!