Was über die sechste Helligkeitsklasse hinausliegt, das ist dem Fernrohre vorbehalten. Dies sieht schärfer, als das Auge, und zeigt uns viele Millionen von Sternen!

Betrachten wir mit einem genügend stark vergrößernden Teleskope eine Stelle am Himmel, an der mit dem bloßen Auge höchstens 3–4 Sterne zu sehen sind, dann werden wir ungemein erstaunt sein. Im Fernrohre zeigen sich uns nämlich dort mehrere hundert Sterne! –

Die Sterne, die uns das Fernrohr offenbart, teilen wir in zehn Klassen ein. Wir sagen, das Teleskop zeigt uns Sterne bis hinab zur sechzehnten Helligkeitsklasse. Dann aber versagt auch seine Kraft und die photographische Platte, die wieder noch viel besser sieht, als das Fernrohr, muß einspringen! Sie offenbart uns noch Sterne, die wir im Fernrohre nicht mehr erkennen können; aber damit ist nicht gesagt, daß der Sternenreichtum dort erschöpft sei, wo die photographische Camera versagt! Ganz im Gegenteil! Es können Millionen von Gestirnen noch vorhanden sein, die uns auf ewig verborgen bleiben, weil eben unsere Sehwerkzeuge und Hilfsmittel nicht ausreichen, um sie uns erkennbar zu machen.

Sterne am Himmel gibt es, wie Sand am Meere! Unzählige Sterne bevölkern also den weiten Raum; aber mit dem bloßen Auge sehen wir von dieser Unzahl nur einen ganz verschwindend kleinen Teil, im Ganzen 5719 Stück!

Tausende von Jahren ist der Menschheit diese Erkenntnis verborgen geblieben. Alles, was man darüber wußte, war Vermutung! Was hat uns Fernrohr und lichtempfindliche Platte schon offenbart und, was werden die späteren Geschlechter noch erfahren? Wir wissen es nicht; aber das eine wissen wir, daß der Geist des Menschen nicht still steht, sondern rastlos vorwärts drängt zu neuen Erfolgen, zu immer größerer Einsicht und Klarheit!

Über einhundert Millionen Sterne enthüllen die Riesenfernrohre, die einige Sternwarten der Erde besitzen, unserem Anblick. Ein jeder Stern ein leuchtendes Gottesauge, das erhaben und friedvoll zur Erde niedersieht!

Muß sich nicht die Seele des Empfänglichen weiten, wenn er am Fernrohre unter diesem nächtlichen Zauber sitzt, unter all' diesen Diamanten, Rubinen, Topasen und Smaragden? Diese märchenhafte Pracht der Sternennacht gehört zu dem Schönsten, was unser Auge genießen darf; aber wie wenige Menschen vertiefen sich in sie, wie wenige blicken zum gestirnten Firmamente auf und denken auch nur einmal über das nach, was dort oben flammt und zittert! – Die hellsten Sterne am Firmamente stellen sich für unseren Anblick zu Bildern zusammen!

In einer schönen W-Form zeigt sich uns das Sternbild der »Cassiopeja«. Das Bild des »Schwans« sieht aus wie ein langgestrecktes Kreuz, und das des »großen Löwen« wie ein umgekehrtes Fragezeichen.

Unsere Vorfahren lasen aus den Gestirnen mit Hilfe der Phantasie noch mehr heraus als wir, und so entstanden Sternbilder, deren Namen an die Götter- und Heldensagen der Alten gemahnen. In jenen Tagen hat das Sternbild des »Orion« (des himmlischen Jägers) seinen Namen erhalten, ferner das des »großen und kleinen Bären« (eigentlich das der »großen und kleinen Bärin«), weiter das des »Herkules«, – des gigantischen Helden, – das der »Andromeda«, – der sagenhaften Königstochter, – und endlich das des »Cepheus«, – des Königs der Äthiopier!