Alle die Sternbilder, die man in mehr oder weniger phantastischer Weise im Altertume benannt hat, teilte man in drei Klassen ein. In die erste gehörten die Sternbilder des nördlichen Himmels, in die zweite die des südlichen Firmamentes und in die dritte endlich die des Tierkreises oder des Zodiakus. –
Zweiundzwanzig Sternbilder umfassen, – diese Einteilung ist bis heute verblieben, – den nördlichen Himmel. Zu ihnen gehören die bereits genannten des »großen und kleinen Bären«, des »Cepheus« und der »Cassiopeja«. Aus vierzehn Bildern baut sich der südliche Himmel auf, und dazwischen liegt der Gürtel des Tierkreises. Dieser setzt sich aus den folgenden zwölf Sternbildern zusammen: »Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Wage, Skorpion, Schütz, Steinbock, Wassermann und Fische«. –
Die Sonne und die Planeten mit ihren Monden durchwandern im Laufe eines Jahres diese zwölf Sternbilder des Tierkreises. Das Bild des »großen Bären« an unserem Nordhimmel kennt heute jedes Schulkind. Vier helle Sterne bilden den Leib des Tieres oder den Kasten des Wagens, da man das Bild auch den »großen Wagen« nennt. Drei helle Sterne aber stellen die Deichsel des Wagens oder den Schwanz des Tieres dar.
Verbinden wir nun die beiden hellen Sterne an der rechten Wagen- oder Körperseite des Tieres durch eine gedachte Linie miteinander, und verlängern wir diese um das Fünffache nach oben hinaus, dann gelangen wir zu einem anderen hellen Sterne, der am Himmelspole steht, nämlich zu unserem Polarsterne.
Er ziert die Deichselspitze des »kleinen Wagen« oder die Schwanzspitze des »kleinen Bären«. Das Sternbild wird deshalb so genannt, weil es Ähnlichkeit mit dem des »großen Bären« oder des »großen Wagen« hat.
Der mittelste Stern in der Deichsel des »großen Wagen« oder im Schwanze des »großen Bären« heißt Mizar. Die Araber haben ihm diesen Namen gegeben. Über ihm gewahren wir ein weniger helleuchtendes Sternchen, das Alkor (Reiterlein) heißt.
Wenn wir eine klare Winternacht bis zum Frühmorgen im Freien verbringen würden, dann gewahrten wir, daß sich einige Sternbilder im Kreise um den Himmelspol, – also um den Polarstern, – herum bewegten. Man nennt diese Sternbilder deshalb auch Circumpolarsterne. Zu ihnen gehören der »große und kleine Bär«, der »Drache«, der »Cepheus«, die »Giraffe«, die »Jagdhunde«, die »Zwillinge«, der »Fuhrmann«, der »Perseus«, die »Cassiopeja«, der »Schwan«, der »Herkules«, der »Bootes« und die »Jagdhunde«.
Durch diese scheinbare Bewegung des Sternenhimmels um den Pol, die nur eine Folge der Drehung unserer Erde um ihre eigene Achse ist, wird bewirkt, daß das Bild des »großen Bären« einmal links und einmal rechts vom Pole, bald über und bald unter ihm steht!
Wir beobachten den gestirnten Himmel in einer klaren Winternacht bald nach Weihnachten, und zwar etwa gegen zehn Uhr des Abends.