Die Sternkarte hält man dabei über den Kopf, und zwar in der gleichen Weise, wie es uns der Sternenhimmel mit seinen Bildern anzeigt.
Außer den Sternkarten gibt es noch Himmelsgloben, mit denen man sich am gestirnten Firmamente zurechtfinden kann; aber man muß sich dann den hohlen Himmelsglobus aus Glas und die Sterne auf ihm als dunkle oder goldene Punkte denken. Der Beobachter versetzt sich im Geiste in den Mittelpunkt dieser gläsernen Himmelshohlkugel und schaut in ihr nun auf zur Kugelschale. Er wird dann an ihr die Sternenpunkte genau so erblicken, wie wir sie am Firmamente von der Erde aus sehen können.
Im Altertume glaubte man, daß die Sterne an eine gläserne Kugelschale, die sich über der Erde wölbte, fest angeheftet seien. Von dieser Vorstellung rührt der Name »Fixsterne« her, der bis zur Stunde in der Himmelskunde verblieben ist. Die »Fixsterne« (Stellae fixae) waren die an den Himmel fest gehefteten Sterne, zum Unterschiede von der Sonne, dem Monde und den Planeten, die an besonderen Kugelschalen aus Kristall hingen und zugleich mit der »Fixsternsphäre« (der gläsernen Kugelschale mit den Fixsternen) nun die in dem Mittelpunkte des Weltalls ruhende, zylinderförmige Erde umkreisten.
Diese Anschauung hat die kommende Zeit aber als irrig gebrandmarkt und durch eine bessere ersetzt. Sie hat nachgewiesen, daß die Erde nicht still in der Mitte des Weltalls steht, sondern, daß sich Erde und Mond und alle übrigen Planeten, die wir kennen, um unsere Sonne drehen, daß diese also der Mittelpunkt des Reiches ist, in dem sie herrscht und in dem die Planeten weilen.
Die moderne Forschung hat uns noch mehr über diese Bewegung verraten, nämlich, daß die Sonne selbst nicht still im Raume steht, sondern in ihm dahinschreitet.
Aber nicht bloß die Sonne hat diese Bewegung durch den Raum, sondern alle ihre Schwestern am Firmamente haben sie, – all' die Sterne, die wir in dunkler Nacht im Äther funkeln sehen!
Man sagt, die Sterne am Himmel haben eine Eigenbewegung! –
Wir wissen heute, daß unser Tagesgestirn nach dem Sternbilde des »Herkules« (nach der Meinung anderer Forscher nach dem hellen Sterne Wega in der »Leier«), und zwar mit einer Schnelligkeit von 19 Kilometern in der Sekunde hineilt, ferner, daß ein heller Stern im Bilde des »großen Bären« in einem Jahre eine Wegesstrecke zurücklegt, die 11 000 Millionen Kilometer lang ist. Mit einer Geschwindigkeit von 350 Kilometern in der Sekunde eilt dieser Stern also durch den Raum. Wir erfuhren endlich, daß Sirius im Bilde des »großen Hundes« auf das Sternbild der »Taube« zueilt und die helle Wega in der »Leier« auf unsere Sonne hin. Andere Sterne wieder schwingen nach der Milchstraße.
Die Beobachtungen der letzten Jahre haben ergeben, daß diese »Eigenbewegungen« die Gestirne am Firmamente uns erscheinen lassen, wie einen großen Bienenschwarm, dessen einzelne Glieder nach allen Richtungen der Windrose auseinanderfliegen; aber trotzdem herrscht auch hier, wie überall im Weltall, die größte Ordnung!