Durch langwierige Rechnungen und unermüdliche Beobachtungen hat man festgestellt, daß das ganze »Volk der Sterne« auf der weiten Himmelsau sich unserem Anblick darstellt, wie zwei endlose Karawanenzüge, die schweigend in der Wüste aneinander vorüberziehen. Keine von diesen beiden Karawanen weiß, woher die andere kommt und wohin sie zieht! Sie kennen nur den augenblicklichen Weg, auf dem sie an einander vorüberwandern!

Von unserer Erde aus sehen wir dieses Vorüberziehen der beiden »Stern-Karawanen« (der beiden Sternströme) und können es feststellen! Staunend stehen wir und fragen uns: »Woher mögen diese beiden Sternströme kommen und wohin mögen sie ziehen?« –

Nur die eine Antwort gibt es auf diese große Frage. Sie lautet: »Aus der Ewigkeit, – in die Ewigkeit!«

Wenn wir an einigen klaren Abenden, die aufeinander folgen, den hellsten Stern Algol im Sternbilde des »Perseus« recht aufmerksam beobachten, dann werden wir finden, daß er seine Helligkeit verändert. Das Licht Algols nimmt einmal zu und dann wieder ab. Der Lichtwechsel zeigt also eine Periode, und Sterne, die einem solchen Lichtwechsel unterworfen sind, nennt man »veränderliche«.

Einer der merkwürdigsten »veränderlichen Sterne« neben Algol ist der Stern Mira (der Wunderbare) im Bilde des »Walfisches«. Er strahlt im roten Lichte! Interessant ist ferner noch ein Stern im Bilde der »Leier« (lyra). Nach diesen drei genannten Sternen werden alle »veränderlichen Sterne«, die wir kennen, – es sind deren etwa 500, – in drei Klassen eingeteilt, nämlich in die »Algol-, Mira- und Lyrasterne«.

Welches ist der Grund des Lichtwechsels bei diesen »veränderlichen Sternen«? –

Bei den Algolsternen nimmt man an, daß eine leuchtende Sonne eine andere, die bereits dunkel geworden ist und ihr Licht verloren hat, umkreist. In diesem Umkreisen blendet die dunkle Sonne die helle ab; sie raubt ihr also zeitweise das Licht. Die Dauer des Lichtwechsels hängt von der Zeit ab, in der sich die dunkle Sonne um die helle bewegt.

Bei den Mirasternen indes liegt die Sache anders!

Am Eingang dieses Buches wurde gesagt, daß man aus der Farbe der Gestirne auf ihr Alter Schlüsse ziehen könne.

Sterne, die, – wie der Sirius im Bilde des »großen Hundes«, – im weißblauem Lichte leuchten, gehören zu den jungen Sternen. Wenn wir in der Sprache der Dichter von ihnen reden wollen, dann müssen wir sagen, daß sie die »Sternenkinder« sind!