Hat ein Stern aber lange genug das weißblaue Lichtkleid getragen, dann vertauscht er es mit einem gelben. Er tritt in das zweite Stadium des Sternenalters ein, nämlich in das Mannesalter. In diesem gelben Lichtgewande sehen wir unsere Sonne am Himmel und auch den hellen Stern Capella im Bilde des »Fuhrmann« am nördlichen Firmamente. Unsere Sonne und die Capella sind also um vieles älter, als der Sirius.
Wenn unsere Sonne und die Capella lange genug das gelbe Gewand getragen haben, dann werden sie es ab- und das rote anlegen. Dies ist das Kleid der »Sternengreise«, und in ihm sehen wir nur sehr wenige Sterne am Himmel. Zu ihnen gehört der bereits genannte Stern Mira im »Walfisch«.
Die roten Sterne sind also die ältesten, die wir im Weltall kennen. Ihre einst feurigflüssige Oberfläche fängt an, sich mit einer dünnen Kruste zu überziehen. Die rote Sonne beginnt zu erkalten. Nun kann es aber vorkommen, daß heftige Strömungen im Innern dieser Sonne die dünne Kruste durchbrechen. Wir hörten Ähnliches schon bei der Besprechung der Sonnenflecken und Sonnenflammen (Protuberanzen). Glühende Gase und metallische Massen strömen aus dem Innern des Sonnenkörpers hervor und kühlen sich an seiner Oberfläche dann ab. Diese Auswürfe sehen wir von unserer Erde aus auf der Oberfläche jener Sonnen, und wir deuten sie als »Neue Sterne«!
Der »rote Flecken« auf dem Jupiter läßt auch diesen Weltkörper als einen kleinen »Neuen Stern« in unserem Sonnenreiche erscheinen!
Auch bei den Mirasternen unterliegen diese Ausbrüche gasiger und feurigflüssiger, metallischer Massen einer Periode.
Vielleicht sind die Sonnenflecken, die auf unserem Tagesgestirne ja gleichfalls eine Periode von elf Jahren besitzen, Anzeichen dafür, daß unsere Sonne in den Zustand der »Mirasterne« übergehen will. – Vielleicht ist auch unsere Sonne ein »veränderlicher Stern« am Himmel.
Der Lichtwechsel der »Lyrasterne« ist in ähnlicher Weise zu erklären, nur ist die Periode, in der sich dieser Lichtwechsel vollzieht, noch größeren Schwankungen unterworfen.
In einem gewissen Zusammenhange mit den »veränderlichen Sternen« stehen die »neuen Sterne« am Himmel, – auch Novae genannt.
Ein solcher »neuer Stern«, – eine Nova, – die in der Geschichte der Himmelskunde unserer Tage eine sehr große Bedeutung erlangt hat, erschien im Monat Februar des Jahres 1901, und zwar im Sternbilde des »Perseus«.