An jener Stelle des Himmels zeigte sich ganz plötzlich ein »neuer Stern«, den man nie vorher dort gesehen hatte. Seine Helligkeit war erst so groß, wie die der Venus oder des Sirius; aber sie nahm allmählich wieder ab, und nach Verlauf einiger Wochen trat die Nova in die Klasse der »veränderlichen Sterne« ein.
Die Photographien, die man von diesem »Neuen Sterne« im Bilde des »Perseus« erhielt, zeigten weite, wallende Nebelmassen rings um die Nova herum. Das Spektroskop verriet uns, daß dort zwei Sonnen, die durch den Raum wanderten, aneinander gerannt waren. In diesem Zusammenpralle waren beide Sonnen zerschellt worden und hatten sich in die Nebelform aufgelöst.
Mit unseren feinen Hilfsmitteln, – Fernrohr, Spektroskop und photographischer Platte, – konnten wir den Verlauf der Katastrophe am Himmel so verfolgen, wie er sich zugetragen hatte; aber nicht in jener Februarnacht des Jahres 1901 war sie erfolgt, sondern Hunderte von Jahren früher. Das Licht war nur solange unterwegs, um uns die Schreckenskunde zu bringen!
Wenn sich um jene beiden Sonnen, die im Bilde des »Perseus« aneinander prallten und zerschellten, Planeten drehten und einer von diesen Planeten bewohnt war, dann erlebten die Bewohner in der Katastrophe einen schrecklichen Weltuntergang!
Außer diesem »neuen Sterne« im Bilde des »Perseus« sind ihrer eine ganze Anzahl schon vorher erschienen. Man kann ruhig sagen, daß ein jedes Jahrhundert seinen »neuen Stern« hatte. Die wichtigsten Novae unter den uns bekannten waren die des Jahres 1572 und des Jahres 1604. Die erste erschien im Bilde der »Cassiopeja« und wurde von dem berühmten Astronomen Tycho Brahe beobachtet und beschrieben. Er hat diesen »neuen Stern« den »Pilgerstern« genannt. Die zweite Nova erschien im Bilde des »Schlangenträgers« und wurde von Johannes Kepler beschrieben.
Mit Hilfe der Photographie hat man in den letzten zehn Jahren verschiedene »Neue Sterne« entdeckt, oft auf Platten, die schon vor Jahren belichtet worden waren. Die meisten dieser so gefundenen »neuen Sterne« flammten in der Milchstraße auf!
Das deutet wieder darauf hin, daß in ihr noch feurige Kämpfe zwischen den einzelnen Sonnen herrschen, und daß diese Kämpfe notwendig sind, um die Harmonie auch hier herzustellen, die wir sonst überall im Weltall finden! Für eine harmonische Entwicklung der einzelnen Sonnen sind große Abstände von einander sicher nötig. Diese aber werden durch Katastrophen geschaffen, wie wir sie in den »neuen Sternen« kennen lernten!
Tafel 13.
Ein Teil der Milchstraße im Sternbilde des »Schwan«.
(Fast in der Mitte des Bildes gewahren wir den berühmten Nordamerikanebel. Zerklüftete Kanäle und Höhlungen durchsetzen überall den Sternenreichtum. Diese Gegend ist eine der interessantesten und auffallendsten in der nördlichen Milchstraße. Originalphotographie von Prof. Max Wolf in Heidelberg.)