Nicht alle »neuen Sterne« lassen sich durch die Annahme von Zusammenstößen zweier Sonnen erklären, sondern wir müssen andere wissenschaftliche Deutungen suchen. Sie alle hier zu nennen, würde zu weit führen. Nur eine sei erwähnt, die nämlich, welche will, daß die größere Sonne auf der kleineren, – vermöge ihrer stärkeren Anziehungskraft, – Erscheinungen hervorruft, welche denen ähnlich sind, die der Mond, – vermöge seiner Anziehungskraft, – auf den Meeren unserer Erde auch bewirkt. Auf der kleineren, feurigflüssigen Sonne werden also durch die größere Sonne ebbe- und flutartige Vorgänge erzeugt. Diese sehen wir in unseren Beobachtungsinstrumenten und deuten sie als »Neue Sterne«! –

Wenn wir den Stern Betha im Bilde des »Schwanes« mit einem Fernrohre untersuchen, dann bemerken wir, daß dieser Stern aus zwei Sonnen besteht, die sich umeinander drehen. Wir nennen ein solches Sternpaar einen Doppelstern, und ihrer gibt es sehr viele in den Räumen des Alls. Ja, – man behauptet neuerdings sogar, daß jede zweite Sonne am Firmamente ein Doppelstern sei, und unsere Sonne als Einzelstern eine Ausnahme bilde. Aber, – vielleicht ist auch sie mit dem großen Jupiter, den wir ja eine »erlöschende Sonne« nannten, ein Doppelstern und wird als ein solcher von den Bewohnern in den Systemen ferner Sonnen gesehen!

Einen anderen, sehr schönen Doppelstern, an dem man auch die Sehschärfe kleiner astronomischer Teleskope prüft, birgt das Sternbild des »großen Bären«. Es ist der schon genannte Stern Mizar in der Deichsel des »großen Wagen« oder in der Schwanzspitze des »großen Bären«. Über ihm steht ein zweiter Stern, der den Namen Alkor (Reiterlein) hat. Wenden wir auf die beiden Sterne ein genügend stark vergrößerndes Fernrohr an, dann finden wir, daß sowohl Mizar, als auch Alkor Doppelsterne sind. In Wirklichkeit stehen hier vier und nicht zwei Sonnen am Himmel!

Zahlreich sind die Doppelsterne in den Sternbildern des »Orion«, des »Widder« und des »Perseus«. Man kennt ihrer bis jetzt über 15 000 Stück!

An einigen Stellen des Raumes finden wir Sternsysteme, wo sich drei und noch mehr Sterne umeinander, also um einen gemeinsamen Schwerpunkt bewegen.

Im großen Orionnebel steht ein sechzehnfacher Stern, der das »Trapez« heißt. Sechzehn Sonnen bilden hier ein einziges Sternsystem, und alle diese sechzehn Sterne drehen sich um einen gemeinsamen Schwerpunkt.

Die Doppel- und mehrfachen Sterne bilden den Übergang zu den »Sterngruppen oder Sternhaufen«, die wir noch kennen lernen werden. Man könnte, wenn man mit dem Fernrohre beobachtet, glauben, daß die beiden Sonnen eines Sternpaares sehr eng beisammen stehen, denn oft ist der Zwischenraum, der beide Sonnen voneinander trennt, nicht größer als die Breite eines Haares. Indes diese Ansicht wäre falsch, denn die Sonnen eines Doppelsternes sind oft viele Millionen Kilometer von einander entfernt. So steht der Begleiter beim Doppelstern Pi im Bilde des »Schlangenträgers« von seinem Hauptsterne etwa 4500 Millionen Kilometer ab. Auch der nächste Nachbar unserer Sonne, – der Stern Alpha im Bilde des »Centauren« am Südhimmel, – ist ein solcher Doppelstern, und die beiden Sterne dieses Paares sind über 4000 Millionen Kilometer von einander entfernt!

Die großen Abstände der beiden Sterne eines Paares schmelzen deshalb so zusammen, weil die Sonnen ungeheuer weit draußen im Raume stehen, – oft Hunderte von Lichtjahren weit von uns!

Wenn wir auf der Eisenbahn oder auf der Landstraße uns von einer Stadt entfernen, dann sehen wir, wie die Türme kleiner werden und die Häuser eng zusammenrücken. Je weiter wir nun kommen, umso mehr schmilzt alles in einen dunklen Punkt zusammen. Das Gleiche ist in der Sternenwelt der Fall. Auch wir sind von jenen Doppel- und mehrfachen Sternen ungeheuer weit entfernt. Infolgedessen, schrumpfen die Abstände zwischen den einzelnen Sternen eines solchen Paares zur Breite eines Haares oft zusammen. –