Wir lernten im vorangegangenen als hauptsächlichste Farben der Gestirne die weiße, die gelbe und die rote kennen.

Nun finden sich aber in den Doppel- und mehrfachen Sternsystemen Farben, die uns ganz eigenartig anmuten. Wir sehen nämlich, wie weiße Sonnen gelbe, blaue und rote umwandeln; aber wir finden auch Sonnen, die in den Komplementär- oder Ergänzungsfarben rot und grün, blau und gelb aufleuchten.

Knüpft man an das Objektiv des Fernrohres, mit dem man beobachtet, einen dünnen Faden, und blendet man mit ihm nun bald die eine, bald die andere Sonne des betreffenden Sternpaares ab, so findet man, daß beide Sonnen des Paares die ihnen eigentümliche Färbung behalten. Die bunten Farben sind also diesen Doppelsternen eigen. Das wird stets der Fall sein, wenn sich eine weiße Sonne um eine blaue, rote oder grüne dreht oder, wenn zwei blaue und zwei rote Sonnen einander umkreisen.

So ist bei dem schon genannten Doppelsterne Betha im »Schwan« der Hauptstern rötlich, der Begleiter indes blau. Rot ist der Hauptstern beim Sterne Nr. 2 in den »Jagdhunden« und blau sein Begleiter.

Wir besitzen sogar Doppelsterne, in denen die eine Sonne lila- oder aschfarben, die andere aber weiß aussieht.

Im Sternbilde der »Andromeda« haben wir einen dreifachen Stern. Der eine von ihnen ist grün, der andere blau und der dritte goldfarbig.

Wenn wir über das Licht solcher bunter Sonnen, die der Schöpfer zu einem System vereinigte, nachdenken, dann muß es uns ergehen, wie dem Derwisch im Märchen aus »Tausend und einer Nacht«!

Nehmen wir einmal an, wir erwachten eines Morgens nach erquickendem Schlafe auf einem Planeten, der sich um eine solche buntfarbige Sonne, – wie wir sie hier kennen lernten, – wälzt.

Anstatt unserer, in gelbem Lichte strahlenden Sonne wäre dort am Frühmorgen eine blaue, oder eine grüne oder eine rote Sonne über den östlichen Gehängen emporgestiegen und hüllte alles nun in die ihr eigene Glut!