Im Spektroskop ermittelt man die Doppelsterne dadurch, daß man Obacht gibt, ob sich die sogenannten Spektrallinien verdoppeln. Von einem jeden Sterne wird im Spektroskop nämlich ein aus den sieben Farben des Regenbogens bestehendes Spektrum (Farbenband) erzeugt. In diesem Farbenbande aber zeigen sich dunkle Linien, die man, – nach ihrem Entdecker Fraunhofer, – die »Fraunhoferschen Linien« benannt hat. Diese geben uns an, aus welchen Stoffen eine Sonne besteht und mit welchen sie sich umhüllt. Die Fraunhoferschen Linien sagen uns, daß unsere Sonne Eisen, Zink, Wasserstoff, Helium (Sonnengas) usw. besitzt. Sie erzählen uns ferner, daß diese Stoffe sich auch auf den anderen Sonnen, – den Schwestern der unsrigen, – vorfinden!
Verdoppeln sich nun die Fraunhoferschen Linien, wenn wir das Spektroskop auf einen Stern einstellen, dann wissen wir, daß es sich hier nicht um eine Sonne handelt, sondern um zwei, – also um einen Doppelstern! –
Überall da, wo wir an einer Stelle des Raumes sehr viele Sterne eng beieinander finden, sprechen wir von einer Sterngruppe oder einem Sternhaufen! Es sind Sonnengemeinschaften, in denen nicht eine Sonne herrscht, sondern in denen mehrere Sonnen das Zepter schwingen.
Im Sternbilde des »Stieres« haben wir zwei solcher Sterngruppen oder Sternhaufen. Es sind die Hyaden und die Plejaden. Sie wurden an anderer Stelle des Buches bereits erwähnt.
Die mit bloßem Auge schon sichtbaren Hyaden sehen aus, wie ein großes lateinisches V. Der hellste Stern in dieser Gruppe heißt Aldebaran. Er bildet das Auge des Stieres! –
Die Gruppe der Plejaden hatte in grauer Vorzeit eine Bedeutung. Sie war das Schiffer- oder Siebengestirn, das der römische Dichter Ovid besang.
Mit dem bloßen Auge kann man sieben helle Sterne in dieser Gruppe erkennen, – daher der Name »Siebengestirn«. Ein schärferes Auge sieht neun bis elf Sterne. Wendet man aber ein Teleskop zur Beobachtung der »Plejaden« an, dann erkennt man mehrere hundert Sterne, eng beisammen stehend.
Die hellsten Sterne in den »Plejaden« heißen Maja, Merope, Elektra, Taygeta, Alkyone und Celaeno. Alle diese Sterne werden von lichten Nebelmassen umgeben, die ihre feinen, strahligen Ausläufer weit in den Weltenraum hinaussenden. Der Astronom Mädler war der Meinung, daß der Stern Alkyone in den »Plejaden« die Zentralsonne sei, um die alle Sonnen am Firmamente, – auch die unsrige, – kreisten. Spätere Beobachtungen und Berechnungen haben aber ergeben, daß diese Zentralsonne nicht bloß überflüssig, sondern sogar ganz unmöglich ist. Die Photographien, die man von der Sterngruppe der »Plejaden« erhalten hat und die die Nebelmassen um die einzelnen Sterne in ihr sehr deutlich zeigen, gehören zu den schönsten, die wir besitzen.
Mit dem bloßen Auge kann man auch die Sterngruppe im Bilde des »Krebses« erkennen. Sie wird die Krippe genannt.
Hyaden, Plejaden und Krippe bezeichnet man als sogenannte stark zerstreute Sternhaufen. Sie sind also nichts anderes, als sternreiche, aber eng begrenzte Gebiete am Himmel.