Am südlichen Himmel spaltet sie sich in zwei Äste. Der eine von ihnen geht über den »Adler« nach dem »Schwan« hin, der andere aber vom »Skorpion« nach dem »Schlangenträger« und von hier gleichfalls nach dem »Schwan«. In diesem Sternbilde vereinigen sich also die beiden Teile miteinander und bilden den sogenannten »Wirbelpunkt der Milchstraße!« –
Der Einheitsstrom des galaktischen Äquators (der Milchstraße) geht durch den »Cepheus«, die »Cassiopeja«, den »Perseus« und den »Fuhrmann«, windet sich dann zum »Orion« hinüber und durch das Sternbild der beiden »Hunde« (großer und kleiner Hund) bis zum »Schiffe Argo«.
Wenn man aufmerksam den Lauf der Milchstraße verfolgt, dann findet man, daß sie einen großen Kreis bildet; aber diese Ringform ist keine wirkliche, sondern nur eine scheinbare, denn die genauesten Beobachtungen und Messungen haben ergeben, daß das »Sonnenband der Milchstraße« eine spiralige Form besitzt, wie wir sie bei der Besprechung der Spiralnebel im ersten Kapitel dieses Buches schon kennen lernten!
In ihrem ganzen Verlaufe ist die Milchstraße von Buchten und Kanälen durchsetzt. Es zeigen sich in ihr wolkenartige Verdickungen und dann wieder von Sternen ganz leere Stellen, sogenannte »Sternwüsten«.
Sechzehn Sternwarten des Erdballes befassen sich zur Zeit damit, das ganze Himmelsgewölbe photographisch aufzunehmen, und zwar zu dem Zwecke, um einen großen Sternatlas zu schaffen. Wenn dieses große Werk menschlichen Geistes und Fleißes fertig sein wird, dann haben wir über hundert Millionen Sterne am Himmel in diesem Atlas festgelegt; aber unter diesen einhundert Millionen Sternen werden die der Milchstraße nicht enthalten sein. Man hat die Milchstraße poetisch einen »Wasserfall von Sonnentropfen« genannt. Ist dieser Vergleich berechtigt? Ganz gewiß ist er berechtigt, denn ein Wasserfall setzt sich doch aus Millionen und Abermillionen von Wassertropfen zusammen! –
Wir wissen bereits, daß die Sonnen, welche die Milchstraße bilden, unermeßlich weit von uns entfernt sind, und wir wissen auch, daß, – von uns aus gesehen, – in solchen Weiten alles eng zusammentritt, daß Abstände, welche viele Millionen von Kilometern betragen, in einen Punkt zusammenfließen!
Nun sehen wir aber einen breiten milchigen Schimmer, der das ganze Firmament umspannt. Eine fabelhaft große Zahl von lichten Punkten muß also dieses breite, lange Lichtband bilden.
Mögen der Sonnen dort auch noch so viele sein, man hat doch den Versuch gemacht, sie zu zählen! Es klingt beinahe wie vermessen, wenn man dies hört. Wie hat man das aber gemacht, und was hat man dabei gefunden? – Nun, man hat die Milchstraße stückweise photographisch aufgenommen, und unter einem stark vergrößernden Mikroskope die belichteten Platten nach Sternpunkten abgesucht. Hierbei ergab sich, daß die Milchstraße schätzungsweise etwa 200 Millionen Sonnen enthält.
200 Millionen Sonnen in der Größe der unsrigen! Das ist etwas, was wir nicht begreifen und uns nicht vorzustellen vermögen!