»Nein! Es paßt nicht für ihn / und es ist nicht gut für uns / diese verfluchte Kopfhängerei...«

Er trank in tiefen Zügen und ich fragte einen jungen Offizier / wer dieser Mann wohl sei.

»Den kennt Ihr nicht? Das ist der Markgraf von Kulmbach.«

Indem hatte ich überhört / was ein anderer dem Markgrafen entgegnet hatte. Der aber riß jetzt heftig den Becher von den Lippen und schaute zornig zur Seite:

»Von Geburt an? Hol' Euch der Teufel! Und warum war er dann bei Pavia so lustig / wenn er von Geburt an die Mieselsucht hat? Er muß nur wieder in den Krieg / versteht Ihr...?«

Der venezianische Gesandte saß gelassen da und mit pfiffigem Lächeln: »Ich hab' ihn in Neapel gesehen / Euern Kaiser« / sagte er / »da ist er auch recht von Herzen fröhlich gewesen / hat mit den Frauen karessiert und sich mit einem silbernen Zänglein die grauen Haare einzeln ausreißen lassen / damit er als ein junger Stutzer gefalle.«

»Nun also!« brüllte der Markgraf. »Krieg muß er haben und schöne Weiber! Gebt ihm beides / dann habt Ihr einen fröhlichen Herrn.«

»Ach was / ich kenn' ihn besser« / fuhr der Herr Philippe de Beaume auf. »Er hat's von seinem Lehrmeister / vom Croy. Der hat ihm als Kind schon das Regieren eingebläut / davon ist er in die Melancholie verfallen.«

»Hofschwatz!« schrie der Markgraf. »Hof- und Kammerschwatz!«

»Sei doch still / Kulmbach« / rief jetzt der alte Fürstenberg mit einer hellen / freundlichen Stimme. »Hat der Kaiser denn nicht Kriegsgloria genug / und kann er nicht grad' soviel Weiber haben wie der Großtürke? Sei nur still / lieber Kulmbach / da ist nichts zu machen. Er hat's von seiner Mutter...«