Schnabel ersah mich jetzt und blinzte mich fröhlich an: »Merkt auf! Merkt auf!« rief er zu mir herüber / »hier vernehmt Ihr die Welthistorie aus der Quelle.«

Mir wurde Angst / die Generale könnten es übel ansehen / daß ich so nahe dabei war und lauschte. Achtete aber niemand meiner geringen Person / sondern steckten alle nur die Köpfe zusammen / um den Fürstenberg erzählen zu hören.

»Sie hat's mit dem König arg getrieben« / sagte er halblaut / »und es ist kein Wunder / wenn ihr jetzt nachgeredet wird / sie habe ihn vergiftet. Laßt nur / Herr Contarini« / wandte er sich zu dem Venezianer / »in Castilien sprach damals jeder Mensch davon. Ich selbst habe es auch geglaubt und an den Kaiser Maximilian geschrieben. Denn die Arragonische ist von je eifersüchtig gewesen / und wenn die Wut sie erfaßte / hat sich der muntere Herr Philipp nicht zu helfen gewußt. Damals war ein junges Weibsbild am Hof / ein burgundisches Fräulein / schön... wir schauten alle nach ihr. Eines Tages fängt die Königin an / ihr Gemahl halte es mit der Burgunderin. Sie ist darüber ganz von Sinnen gekommen / hat sich den Kopf gegen die Wand gerennt / die Brüste geschlagen.«

»Die Brüste hab' ich gesehen...« pfiff Gonzalez dazwischen.

»Still... Ruhe...« riefen die anderen. »Weiter.«

»Und am nächsten Morgen« / fuhr der Fürstenberg fort / »am nächsten Morgen war der schöne / heitere Herr Philipp tot / war das burgundische Fräulein unter der Erde.«

»Weiter! Weiter!« Alle rückten näher heran.

»Ich weiß noch / daß ich die Königin jammern hörte / ehe ich noch den Palast betrat. Es war / wie wenn ein gestochenes Tier brüllte / ein Heulen und Winseln und rasendes Kreischen. Die Leute liefen zusammen / standen in den Höfen / auf den Treppen / in den Gängen... sie rührten sich nicht und waren alle versteinert von diesem Schreien.«

»Daß sie aber dann noch den Toten mit sich herumschleppte...« sagte Herr Philippe de Beaume mißbilligend in seiner kleinen / höflichen Weise.

Der Fürstenberg nickte ihm zu. »Die Königin war von Sinnen / denn sie grub sich in den festen Glauben ein / ihr Vater halte sie wie einst gefangen / um sie vom König Philipp zu trennen. Dann wieder kehrte sich all ihr Toben gegen Philipp: >Er lebt / er lebt< / schrie sie / >und buhlt mit einer anderen... deshalb werde ich hier eingesperrt!< So heftig kam die Raserei über sie / daß man für ihr Leben fürchtete. Da verfiel jemand / um sie zu retten / auf den Gedanken / man solle vor ihren Augen die Gruft öffnen / damit sie selber nachschauen könne / in wessen Armen ihr schöner Philipp ruhe. Also wurde sie nach Burgos geführt und alle glaubten / jetzt werde sie geheilt sein / jetzt werde sie endlich auf eine christliche Weise trauern. Sie aber fiel nur aus dem einen Wahn in den anderen. Kaum hatte sie den König durch die Glaswand des Sarges erblickt / als sie zu schreien anfing: >Herauf! Herauf! Du nicht allein dort unten / und ich hier oben nicht allein!< Und sie ruhte nicht / bis der Sarg gehoben und in ihr Zimmer getragen wurde. Dann lebte sie stiller / war getröstet / und man konnte zu ihr sprechen.«