Der Venezianer sah scharf auf den Fürstenberg: »So denkt Ihr / all die Greuel seien um nichts geschehen... und der König war gleichfalls schuldlos?«

Auch der Fürstenberg maß den Italiener: »Das denke ich so wenig wie Ihr. Denn ich weiß es anders. Aber die arragonische Johanna hat es nie erfahren / wen König Philipp geliebt hat. Bei all ihrer Eifersucht / bei all ihrer Wachsamkeit... niemals...«

»Wißt Ihr es?« riefen einige zugleich.

»Ich weiß es...« sprach er leise. »Sie konnte keine Ruhe finden / als die Königin ihren Gatten aus der Gruft holte. Und wie dann Johanna mit dem Sarg in der Welt umherirrte / ist sie immer hinterdrein gefahren / kreuz und quer / ohne Rast. Jahrelang. Dann aber traf sie es besser und war als Reitbursche verkleidet heimlich im Gefolge der Johanna.«

»Warum denn? Was wollte sie...?« fragten etliche. Und andere wieder drangen in Fürstenberg: »Wer war sie? Wie hat sie geheißen? Sagt uns doch / wer sie war!«

»Das werde ich niemals verraten...« sprach der Fürstenberg und tauschte wieder einen Blick mit dem Contarini. »Aber was sie wollte / das war / den toten Geliebten nicht bei der anderen allein lassen... ihn sehen / solange die andere ihn auch noch sah. Und dann: wenn die andere den Leichnam mit verbuhlten Reden schändete / ihn mit Gebeten wieder reinigen.«

»Ja / konnte sie ihn denn immer sehen...?« fragte Herr Philippe de Beaume.

Und der Venezianer sagte plötzlich: »Immer! Von den vier Maultieren / die den Sarg trugen / ritt sie rückwärts das linke. Da hatte sie des Königs Antlitz stets vor sich...«

Der Fürstenberg aber wandte sich zu dem Markgrafen: »Da seht Ihr / mein lieber Kulmbach / von welch einer Mutter der Kaiser stammt...«

In der andern Ecke des Saales hoben jetzt die Musikanten ihr Spiel an und es stimmten auch von den deutschen Offizieren etliche mit Gesang ein. Die große Türe ward geöffnet und kamen etwa zwanzig junge Mädchen in den Saal. In lang herabschleifende / bunte Tücher gehüllt / schritten sie paarweise bis in die Mitte der leeren Runde. Sogleich entstand ein Gelächter / ein Zujauchzen / Schreien und Getöse an den Wänden ringsum. Die Hübschlerinnen grüßten lächelnd nach allen Seiten. Die Musik schwieg still. Da warfen sie sämtlich zugleich die Arme in die Höhe / daß die Tücher von ihnen abglitten / und nun standen sie nackend / so wie Gott sie geschaffen / vor der aufbrüllenden Versammlung.