In mir dröhnten noch all die neuen Worte / die düsteren Geschichten und dreisten Reden / die ich eben vernommen hatte. Jetzt blendete der jähe Anblick all der nackenden Mädchen meine Augen / und das Blut fing mir an in den Schläfen zu pochen. Es war nicht anders / als ob ein schwerer Nebel vor mir herabsinke / aber ich sah durch die Verschleierung meiner Sinne hindurch die weißen Leiber glänzen / die runden Hüften / die vollen Brüste mit den roten Beeren darauf / ich sah das Lächeln dieser Dirnen / ihre heißen Augen / und noch viel mehr / und ich begann mit den anderen zu lärmen / als nun die Mädchen beim Schall der Pauken und beim Tönen der Zimbeln ihren Tanz aufführten.

»Merkt auf / jetzt nehmen die spanischen Pfaffen Reißaus!« hörte ich den Schnabel flüstern.

Mitten durch den Reigen der entblößten Mädchen schritten die beiden hochgewachsenen / blassen Mönche und das leuchtende Fleisch der Dirnen blinkte hell gegen die schwarze Seide der priesterlichen Gewänder. Sie gingen mit gesenktem Haupte / wie um nichts zu sehen / und die Tanzenden wichen vor ihnen zu beiden Seiten. Nur ein ganz junges Ding / dem die blonden Haare wie ein goldener Mantel den schmalen Rücken bedeckten / sprang aus der Reihe. Andacht und Schuldbewußtsein in ihrem Kindergesicht / lief sie den beiden Spaniern nach / bückte sich / als sie den einen erreichte / haschte nach seiner Hand und küßte sie schnell. Der Priester schien es nicht zu merken. Das Mädchen aber stand noch eine Weile wie entrückt. Dann riß sie sich zusammen und tanzte mit den übrigen im Kreise.

Die Musik wurde lauter / das Getöse und Jubilieren stieg / und ich trank von dem Weine / der immerzu dargereicht wurde / denn meine Kehle war beständig trocken.

»Gib dir keine Mühe / Markgraf...« hörte ich neben mir eine heisere / knurrende Stimme. Da stand ein feister / alter Offizier / den ich schon früher gesehen / dicht neben mir. Mit weißen Locken / mit einem blauroten Gesicht / von dessen Stirne die Berauschtheit loderte. Er sah mit verkniffenen Augen zu den Hübschlerinnen hinüber und schnaufte dabei: »gib dir keine Mühe / Kulmbach« / keuchte er den Markgrafen an / »du hast ja gehört / es wird nicht anders... er hat's von seiner Mutter...«

»Ach was...« antwortete der in seinem wilden Ton. »Von seinem Vater wird er schon auch was haben / und der war lustig genug...«

Der feiste Offizier knurrte wieder: »Bild' dir nichts ein... ich hab' die langen Reden von Fürstenberg auch vernommen. Schwatzt jeder was anderes und keiner das Rechte. Ich sag' dir / der ganze Mensch ist von der ersten Stund an verpfuscht... glaub's mir... wenn er auch der Kaiser ist... Sie hat ihn auf einem Abtritt geboren... weißt du das nicht? Daran liegt alles / sag' ich dir. Seine Frau Mutter hat ihn von sich gegeben / während sie meinte / ihr Wasser zu lassen... Das war eine Komödie / damals in Gent / als sie den Ball abhielten / und die Königin / wie's am schönsten war / beiseite ging. Die Hofleut' hätten es gern vertuscht... aber das Knäblein zeterte / als sie's aus dieser feinen / ersten Wiegen herauszogen. Das hörten die Wachen / und brachten's aus ... Laß gut sein... er ist auf einem Abtritt geboren / und seither scheint ihm die ganze Welt zu stinken. Er bringt den Geruch nicht aus der Nasen.«

Der Alte lachte wieder. Ich aber faßte den Schnabel heftig an: »Wer ist der Kerl / der solche Scherze wagt...?«

»Der?« sagte Schnabel mit seinen fröhlichen Augen. »Er hat ein grobes Maul / sonst aber ein treuherziger Mann ... es ist der Rosenzwick / der die Kanonen über hat...«

»Rosenzwick...« Der Name fiel in meine verwirrten Sinne. Rosenzwick ... ich griff ihn auf / und stöberte in meinem Gedächtnis nach irgend einem Gedanken mit diesem Namen / wie man mit einem Lichte im Finstern nach verlorenen Dingen sucht. Rosenzwick... aber das Wort flackerte nur so über mein Denken hin und verlosch gleich wieder.