»Er redet übrigens nur / was jeder weiß« / sagte der Schnabel / und seine Augen jubelten wieder. »Die Kammerfrau / die dazumal der Königin Johanna Hilfe brachte / hat sich noch kürzlich in Flandern hochberühmt / sie habe den Kaiser Karl aus dem Dreck gezogen...«

Eh ich mich deswegen noch besinnen konnte / fuhr ein schreiendes Lachen auf / daß ich dem offenen Kreis mich wieder zuwandte.

Da sprang ein schlankes Weib an mir vorbei / drehte sich wie toll / und warf die Arme / indessen ihr von den Brüsten und vom Nacken hellroter Wein in breiten Bächen herabstürzte.

Ich tat einen Schritt vor / und sah den Bischof von Arras unfern von mir in seinem Lehnstuhl sitzen / wie er in hocherhobener Hand ein Kelchglas schwang und wie gerade ein anderes Mädchen an seinem Sitze vorübertanzte. In diesem Augenblicke schleuderte der Bischof ihr den roten Wein mitten ins Gesicht. Ich betrachtete meinen Vetter / den Bischof. Er war viel bleicher noch als sonst / hielt die schmalen Lippen hart zusammengepreßt und starrte mit brennenden Augen auf die blinkenden Frauenleiber / die sich vor ihm drehten. Sein Knabe füllte ihm aus einer hohen Kanne beständig frischen Wein in den Pokal / und im Bogen schleuderte der Bischof dann die berauschende Flut auf jede Dirne / die tanzend in seine Nähe kam.

Alle die im Kreise umherstanden / stießen jenes schreiende Lachen aus / so oft der Weindunkel an Schultern / Armen / Stirn oder Nacken der Mädchen klatschend aufspritzte. Der Wein funkelte in roten / dampfenden Lachen auf dem Estrich / benetzte die nackten Füße der Tanzenden / daß es aussah / als ob sie im Blute wateten / er rann von weiß glänzenden Rücken / floß ihnen die blinkenden Hüften herab / alle Mädchen waren davon mit unzähligen funkelnden Perlen besprengt. Der Wein rann ihnen über die Augen / zog schimmernde Streifen über ihre Wangen / lief ihnen über den Hals und betäubte sie mit seinem schweren Duft.

Ein starkes Weib mit zornigen Augen trat vor den Bischof. Er schwang den Arm und der Burgunder traf sie dicht unter der Kehle. Sie hob mit beiden Händen ihre vollen Brüste / neigte den Kopf und schlürfte mit den Lippen den süßen Trank / der ihre Haut benetzte / indessen alle ihr zuriefen und lachten. Dreimal schleuderte der Bischof die Fülle des Pokals gegen sie. Dann aber fing sie an / sich feierlich zu drehen und die von ihr absprühenden Tropfen bespritzten die andern Mädchen wie ein feiner Regen.

Es kam auch das blonde / junge Ding / das dem kaiserlichen Beichtvater so inbrünstig die Hand geküßt hatte. Wie ein Kind war sie noch / mager an allen Gliedern. Als des Bischofs Wein sie traf / fuhr sie schaudernd zusammen / und ich merkte / da ich ihr mit den Augen folgte / wie es sie oft noch überlief.

»Gefällt Euch die Kleine dort?« stieß mich der Schnabel an / »ich schick' sie in Euere Stuben / wenn Ihr sie haben wollt...«

»Ja / sie gefällt mir...« sagte ich.

Uns gegenüber hatte einer von den deutschen Reitern das starke Weib an die Wand gedrückt / hielt sie an den Brüsten fest / indessen seine Kameraden allerlei Kurzweil mit ihr trieben. Der Bischof von Arras schüttete mit ernsthaft zusammengepreßten Lippen einen Becher nach dem andern über zwei üppige Dirnen / die sich vor ihm mit unzüchtigen Gebärden umschlungen hielten.