»Der Kaiser!« sagte der Schnabel.

Und da kam er herangeritten / in großem Abstand hinter ihm sein Gefolge. Er ritt auf einem schlanken / braunen Tier / das unter ihm wie im Tanzschritt ging und seinen Reiter sanft zu wiegen schien. Indem er näher kam / sah ich die Blässe seines Gesichtes von einem ganz feinen Rosa-Hauch überflogen. Die Unterlippe klaffte freilich wiederum herab / so daß man seinen offenen Mund von weitem schon wahrnahm. Als er an unserer Front vorbeisprengte / ging ein leiser Regen an und ich sah / wie der Kaiser sein Barett abnahm / es unter dem Mantel verbarg und barhaupt weiter ritt. Ich verwunderte mich dessen / aber der Schnabel rief mir voll Munterkeit zu: »Seht / was für ein Filz! Da hat ihm der Fugger vor zwei Tagen das neue Barett aus Lyoner Samt verehrt und jetzt fürchtet er / es verdirbt / steckt's ein / als könne er sich keinen neuen Hut kaufen...«

»Was redet Ihr da für Unsinn?« fuhr ich den Schnabel heimlich an.

»Unsinn?« gab er lachend zurück / »fragt wen Ihr wollt / er ist ein Filz / und macht's immer so...«

Indessen war der Kaiser vorüber und nach einer Weile rückten wir ab. Der Regen hörte bald auf / aber der Boden war aufgeweicht und der Straßenkot spritzte uns bis an die Hüften. Das schwere Fuhrwerk / darauf die neuen Kanonen waren / zog dem Heere ganz voran. Dahinter kam das Fußvolk / zwölf Fahnen stark / das der Baron Madrizzi befehligte / nachher ritten wir von des Kulmbachs Kürassieren / uns folgten dann die übrigen Soldaten / der Kaiser mit Troß und Wagen und die Nachhut.

Ich ward gleich beim Ausmarschieren an des Markgrafen Seite befohlen. Er schien mir jetzt recht gnädig und meinte: »Wenn Ihr gehorsam seid und tapfer / Freund / dann will ich dem Herrn Granvella gern die Liebe tun und Euch befördern...«

Ich dachte nun freilich bei mir / wenn ich gehorsam bin und tapfer / sollte ich wohl ohne Granvellas Fürsprache zu Ehren kommen / unterfing mich aber nicht / dergleichen laut werden zu lassen und sagte nur: »Ich werd' mich schon zusammennehmen.«

»Wenn wir abends rasten« / sprach der Markgraf / »will ich Euch in Eid und Pflicht nehmen... 's ist gut / Herr!«

Ich wußte jetzt schon / was dieses »'s ist gut / Herr« bedeute / wollte mirs nicht noch einmal so schön erklären lassen / wie vordem / zog den Hut / und ritt an meinen Platz / zur Seite des Zuges.

Ein paar gute Stunden ging es nun vorwärts. Ich ließ meinem Pferd die Zügel / es ging im langsamen Trott mit den anderen / ich gab mich meinen Gedanken hin und lauschte auch wohl den Liedern / die unsere Reiter angestimmt hatten.