Ich sprang auf / denn ich mochte es nicht länger leiden im Staube vor ihm zu liegen. Nun wollte ich sprechen / sann darüber nach / womit ich ihn wohl bewegen könnte / aber wie ich ihn so vor mir erschaute / ganz blaß und armselig und mit giftiger Miene umherlauernd / meinte ich ihn zu ertappen / wie er sich inwendig freute / uns zu quälen / wie es ihn nach unseren Bitten gelüstete und da ging mir eine schallende Rede im Kopf herum / die ich nicht wegbrachte / sie ward lauter und lauter und schlug mir beinahe zum Mund heraus: Daß dich spanischen Bösewicht Gotts Element schänden möge! Ich wandte die Augen von ihm / sah an ihm vorbei zur Straße hinüber / wo all die Soldaten dahinzogen. Die läßt er alle marschieren / mußte ich denken. Das Lied sprang in mir auf. »Er macht es wie's ihm gefällt.« Ist alles ringsumher nur für ihn / und das zwang mich wieder / ihn anzuschauen.

»Er hat des Kaisers hohe Person nicht gekannt« / sagte eben der Markgraf. Aber es kam kein Bescheid. Wir standen umher / wußten nichts zu sagen und mir fiel plötzlich wieder ein / was ich tags zuvor hatte denken müssen: Daß wir alle um ihn herumstanden / wie um ein fremdartig Tier. Jetzt war es mir genau wiederum so. Dort saß er zu Pferd / blickte spähend / mit Angst und Wut / mit Haß und Schadenfreude auf uns. Hier standen wir und schauten mit Angst und Neugierde auf ihn / und lag eine unermeßliche Weite zwischen uns wie von Ufer zu Ufer des Meeres / wie von einer Welt zur anderen.

Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen / aber als ich zu reden anfing / ward ich staunend gewahr / daß ich gar keinen Mut mehr nötig hatte. Alle Scheu war von mir gewichen und ich sagte laut: »Ich biete mein eigenes Leben für das des Knechtes...« in mir selbst aber ging eine andere Rede weiter: Daß dich spanischen Bösewicht Gott's Element schänden möge!

Der Kaiser blinzelte mich an. Ich schwieg. Zwei- / dreimal wollte ich anheben und weiter reden / er aber blinzelte mich wißbegierig an / wie man einen Menschen betrachtet / der den Veitstanz hat / oder dem sonst sehr übel ist. Und ich schwieg unter diesen blinzelnden Augen. Ich haschte in meinem Herzen nach der Courage / die mir entgleiten wollte; es half nichts / sie schwand mir dahin und hätt' ich mich gleich zu Tode geschämt / sie war mit einem Male fort / irgendwo in mir verkrochen / von den Blicken des Kaisers verscheucht und kam erst langsam wieder hervor / als nun ein anderer zu reden begann.

Das war der Markgraf. Indessen schaute ich auf den Striemen in des Kaisers Antlitz. Er lief aus dem Haar hervor / die Stirne abwärts / sprang von den Brauen zur Wange und stürzte sich / ein dünner brandroter Faden / in den schütteren Bart.

Plötzlich hörte ich den Rosenzwick sagen: »Es ist mein Kutscher / gnädiger Herr / laßt ihn mir / ich will ihn schon strafen. Nur gehenkt soll er nicht werden / denn er ist brav und hat's nicht verdient.«

Der Kaiser wandte seinen Blick zu mir / als wollte er mich auffordern / weiter zu bitten. Von beiden Seiten stießen mich der Markgraf und der Rosenzwick an: »Ich flehe um Eurer Majestät Gnade. Es ist ein so lieber Bursche / ich wollt' ihn in meine Dienste nehmen / Majestät / ich bin schuld daran / Majestät ... mein Herz hängt an dem Gesellen.«

Der Kaiser lächelte. So überraschend war dieses Lächeln / daß ich fassungslos zu sprechen aufhörte. Da stieß mich der Rosenzwick an / daß ich erwachte: »Kniet nieder und dankt dem Kaiser... Euer Bursche ist begnadigt...«