[1] „Alle Versuche, grössere Unternehmungen mit chinesischen Arbeitern zu betreiben, sind bisher durch die inländischen Arbeiter vereitelt worden, die jene nicht dulden, sie durch offene Gewalt oder heimliche Verfolgung vertreiben” (Jagor 252).

[2] Nähere Details in meinem Aufsatze über diesen Gegenstand in den Nummern 1–3 des Jahrgangs 1881 der Österreichischen Monatsschrift für den Orient.

IV. Weisse und andere Bevölkerungsbestandtheile.

1. Weisse und deren Mischlinge.

Die weisse Bevölkerung der Philippinen war nie eine beträchtliche. Sie erhielt am Anfange des XVII. Jahrhunderts einen Zuwachs durch jene portugiesischen Familien, welche nach der Eroberung der Molukken durch die Holländer sich nach den Philippinen flüchteten. Was unseren Archipel von allen übrigen spanischen Colonialländern scharf schied, war das gänzliche Fehlen eines weissen Grundbesitzerstandes; die Hacenderos und Mineros von Neu-Spanien und Peru waren hier nicht vorhanden, denn die Philippinen lieferten bis zur Regierung des thätigen Gobernadors Basco nichts Nennenswerthes an Bodenproducten, sie waren nur ein Entredépôt des chinesisch-spanischen Handels. Nach dem westphälischen Frieden wanderten nur Wenige ein, kein Wunder, wenn man bedenkt, dass man von Spanien nach Manila nur den Weg über Mejico und durch den Stillen Ocean nehmen durfte, und dass der jährliche Verkehr zwischen Neu-Spanien und Manila sich nur auf ein einziges Schiff beschränkte. Die Einwanderer waren Beamte, Soldaten, Mönche, politische Verbrecher, mitunter auch Abenteurer dunkler Vergangenheit und wenige Kaufleute. Fast die gesammte weisse Bevölkerung concentrirte sich in Manila, die von den ersten Conquistadoren begründeten Städte mit spanischer Bevölkerung und Municipalverfassung verödeten, wie Cebú, N. Cáceres, N. Segovia oder wurden wieder zu Indier-Dörfern, wie Arevalo auf Panay. Die wenigsten von den Eingewanderten trugen sich mit dem Gedanken, sich hier bleibend niederzulassen, sondern kehrten nach einer Reihe von Jahren in ihr Vaterland zurück, da überdiess die Zahl der eingewanderten Frauen eine geringe war, so konnte sich nicht jene mächtige Creolenkaste bilden, die in Spanisch-Amerika noch heute dominirt.

Als das Festland von Amerika sich von Spanien losriss und eine Militärrevolte in Manila Statt fand, verwies die spanische Regierung alle die zahlreichen Mejicaner und Peruaner, welche seit Basco zahlreich nach den Philippinen gewandert waren. Die Regierung erschwerte auch in einer dem Gedeihen der Colonie sehr hinderlichen Weise die Ansässigmachung von Weissen auf dem Lande, und erst in neuerer Zeit haben Erleichterungen Platz gegriffen. Trotzdem nimmt die Einwanderung der Weissen mit jedem Jahre zu, und demgemäss beginnt sich auch eine zahlreiche Creolenkaste zu bilden, da viele von den Einwanderern sich bleibend niederlassen. Die weisse Bevölkerung steigert sich auch in den Provinzen. Die Ordensgeistlichkeit besteht ausschliesslich nur aus Weissen.

Die spanischen Mestizen widmen sich nur dem Plantagenbau als kleine Grundbesitzer oder sie wählen sich die Beamtenlaufbahn. Jene der niederen Klassen tragen europäische Beinkleider und Schuhe, über den Pantalons aber das Hemd, dann eine bunte Cravatte und Cylinderhut. Die Zahl der Mestizen ist in Wirklichkeit viel grösser als die Censuslisten aufweisen, indem bei der Nachgiebigkeit der Indierinnen, besonders der Frauen, von den Spaniern viele Kukukseier gelegt werden, wenn ich mich dieser vulgären Redewendung bedienen darf. Nach Jagor (Reisen 64) fällt einem in allen Gegenden, wo Spanier häufig sind, die weisse Farbe der Eingeborenen auf, was auf eine starke Blutmengung hinweist, wenn auch diese officiell als „Indios” angeführt werden. „Mädchen, die als Geliebte von Europäern Kinder bekommen, rechnen sich dieses fast zur Ehre. Noch mehr ist diess der Fall, wenn das Kind vom Pfarrer ist” (Jagor 129). Die spanischen Mestizen zahlen ebenso wie die Weissen keine Kopfsteuer.