Anhang.
Die maritimen Entdeckungen der Spanier im Archipel der Philippinen.
Fernando Magallanes erreichte am 16. März 1521 die Insel Jomonjol in der Surigao-Gruppe und wurde so der Entdecker der Philippinen, denen er den Namen S. Lazarus-Archipel verlieh, doch hat diese Benennung wenig Anklang gefunden, und wir werden sehen, dass diese so reiche Inselgruppe bis zum Empfange des heutigen Namens von den Spaniern gewöhnlich „Islas de Poniente” genannt wurde, d. h. die Inseln des Westens, während sie die Portugiesen die „Islas del Oriente”, d. h. die Inseln des Ostens, hiessen. Magallanes trat mit den Bewohnern Jomonjols in freundlichen Verkehr, setzte aber, sobald seine Kranken sich ein wenig erholt hatten, seine Reise fort, auf welcher er die grosse Insel Leyte und zwar die Südostküste entdeckte, zwischen welcher und der kleinen Insel Panaon er zu dem Inselchen Limasaua[1] gelangte, deren Radjah ihn freundlich aufnahm. Von dort begab er sich nach Butuan an der Nordküste von Mindanao. In Butuan zog er genaue Erkundigungen über die grosse Insel ein, insbesondere über die Ostküste derselben, deren Namen Caraga sein Chronist Pigafetta in Calagan verzerrte. Da aber in Mindanao keine Lebensmittel aufzutreiben waren, so kehrte Magallanes nach Limasaua zurück, deren Radjah sich ihm selbst als Lootsen erbot, um die Spanier nach dem Centrum der Visayer-Inseln, nach Cebú zu führen. Die Expedition brach also unter der Führung des Radjahs auf und segelte zunächst nach Norden, entlang den Gestaden Leyte’s. Diese grosse Insel führt bei Pigafetta zwei Namen, der südliche Theil wird dort Ceylon, der nördliche nach einem Orte der Westküste Baybay genannt. Von Baybay wandte sich die Expedition nach Westen, erreichte die kleine Inselgruppe der Camotes, segelte dann Südwest und gelangte so zur Insel Cebú[2] und nach Passirung des Canales, welcher Cebú von der Insel Mactán trennt, nach der wichtigsten Stadt jener grossen Insel, welche ebenfalls Cebú hiess.
Da es nicht meine Aufgabe ist, eine Geschichte der Fahrt Magallane’s zu geben, sondern nur die auf die Philippinen bezüglichen Entdeckungen kurz zu registriren, so sei erwähnt, dass nach dem unglücklichen Ende des kühnen Magallanes seine Expedition sich nach der Westküste von Bohol wandte und von dort zwischen der Südspitze von Negros und der Insel Siquijor ihre Richtung gegen Südwesten nahm. Die Spanier entdeckten einen neuen Theil der Mindanaoküste und zwar jenen, welcher westlich von Dapitan beginnt und ungefähr bei der Punta Gorda endigt. Nach dem im Osten der Punta Gorda befindlichen Cap Quipit nannten sie die ganze Strecke, die sie vielleicht für eine besondere Insel ansahen, Isla de Quipit ó Quepindo. Dann folgte die Entdeckung von Palawan, welches von den Spaniern Paragua genannt wird; die Spanier entdeckten ferner auf ihrer abenteuerlichen Flucht von Borneo Sulu (Hauptinsel), die Südküste von Mindanao und die Serangani-Inseln, von wo aus sich die Reste der Magallanes-Expedition nach den Molukken wandten und somit das Gebiet der Philippinen verliessen.
Durch diese spanische Expedition wurden die Portugiesen auf die Philippinen aufmerksam, sie schickten einzelne Schiffe dahin ab, welche aber keine neuen Entdeckungen machten. In Spanien hatte man sich inzwischen entschlossen, eine neue Expedition nach den Molukken auslaufen zu lassen, nachdem ein in Elvas und Badajóz tagender Congress spanischer und portugiesischer Geographen und Seefahrer resultatlos auseinandergegangen war; der Congress hatte über die Frage entscheiden sollen, ob die Molukken zum spanischen oder zum portugiesischen Weltantheil gehörten. Die neue Expedition bestand aus sieben baskischen Schiffen, welche unter dem Befehle des Johanniters Don Fray García Jofre de Loaisa standen, zu dessen eventuellem Nachfolger der erste Weltumsegler Don Juan Sebastian de Elcano bestimmt war. Nach schweren Verlusten erreichte die Expedition die Südsee, wo rasch hintereinander Loaisa und Elcano starben; den Oberbefehl übernahm nun Toribio Alonso de Salazar, welcher, nach kurzem Aufenthalte in den Ladronen, am 8. October 1526 die Islas de Poniente erreichte und zwar an der Ostküste von Mindanao. Salazar wurde so der Entdecker der Caraga-Küste. Er lief in den Hafen von Liangan ein, starb aber bald, worauf der muthige Baske Martin Iñiguez (Yañez) de Carquizano Chef der Expedition wurde. Carquizano versuchte nach Cebú zu gelangen, widrige Winde hinderten ihn daran, und so begab er sich nach den Molukken, wo er mit seinen Leuten gegen die Portugiesen kämpfte. Salazar soll den Islas de Poniente zuerst den Namen „Philippinen” beigelegt haben, doch ist diess ein Irrthum. So war durch Loaisa’s Expedition nur die Ostküste von Mindanao entdeckt worden.
Eine Expedition nach den Islas de Poniente und den Molukken sollte bald darauf Neu-Spanien verlassen. Auf Befehl Kaiser Karl’s V. rüstete der glorreiche Eroberer von Méjico D. Fernando Cortés in dem kleinen pacifischen Hafen Neu-Spaniens Zacatula oder Civatlanejo eine Flotte von drei Schiffen aus, welche unter der Führung des D. Alvaro de Saavedra am 31. October 1527 auslief. Da das Hauptziel dieser Expedition der Molukken-Archipel war, so berührte Saavedra nur flüchtig die Philippinen und zwar an der Ostküste von Mindanao, von wo er nach den Molukken aufbrach, so dass diese Expedition nicht in der Lage war, neue Entdeckungen in dem Archipel zu machen. Von den Molukken aus versuchte Saavedra zwei Mal ohne Erfolg durch das Stille Meer nach Méjico zurückzukehren, wobei Sulu von den Spaniern wieder aufgesucht wurde.
Durch den Vertrag von Zaragoza vom Jahre 1529 entsagte Kaiser Karl V. seinen Ansprüchen auf die Molukken, und da die Islas de Poniente nach den damaligen Anschauungen ziemlich werthlos erschienen, so hörten alle Versuche von spanischer Seite auf, sich mit der Entdeckung und Colonisation dieses Archipels zu befassen. Die Portugiesen selbst waren zu sehr mit den Molukken beschäftigt, als dass man in den Regierungskreisen an eine nähere Durchforschung des Archipels gedacht hätte, nachdem die Spanier aus diesen Theilen der Welt verdrängt waren. That auch der portugiesische Staat nichts, so versuchten es doch Privatleute, für ihren Glauben und die Herrschaft ihres Vaterlandes Propaganda zu machen. Ein portugiesischer Edelmann, Francisco de Castro, hatte bereits auf Mangcassar in Celebes als Missionär gewirkt, ohne selbst Priester zu sein. 1531 kam er nach der Insel Mindanao und bekehrte dort einige Fürsten, darunter den Radjah von Butuan, zum Christenthume[3]; es mögen auch noch andere Portugiesen auf dieser Insel geweilt haben, jedenfalls ist aber die Entdeckungsgeschichte der Philippinen durch sie nicht bereichert worden. Die Portugiesen machten sich bald darauf in Mindanao unmöglich, indem der portugiesische Capitän Pinto nach Abschluss eines Freundschaftsvertrages mit dem Radjah der Insel Surigao auf dessen Unterthanen Jagd machte, worauf die empörten Eingeborenen den verrätherischen Sclavenjäger zur schleunigen Heimkehr nöthigten. Die Jesuiten und Portugiesen behaupten, dass zu Anfang der vierziger Jahre des XVI. Saeculums der berühmte Apostel der Indier, Franciscus Xaverius auf Mindanao das Christenthum gepredigt hätte, was aber aus triftigen Gründen bezweifelt wird[4]; jedenfalls hat er zur weiteren Aufdeckung Mindanao’s nichts beigetragen.
Einer von den Officieren des Loaisa, der wackere baskische Capitän D. Andrés de Urdaneta kehrte erst 1536 nach Spanien von den Molukken zurück, wo er unter den Fahnen des Sultans von Tidore rühmlich gegen die Portugiesen gefochten hatte. Dieser tüchtige Seemann und Haudegen suchte dem Kaiser Karl die Wichtigkeit der halbvergessenen Islas de Poniente hervorzuheben, welche nach seiner Vorstellung die Spanier für die Cession der Molukken entschädigen sollten. Eingehend wies Urdaneta nach, dass die Islas de Poniente innerhalb des spanischen Weltantheils lägen, während die Portugiesen das Gegentheil behaupteten. Wenn auch Karl damals mit wichtigeren Angelegenheiten beschäftigt war, so versäumte er es nicht, dem Rathe von Indien eine genaue Prüfung der Vorschläge Urdaneta’s anzuempfehlen. Da der berühmte amerikanische Conquistador D. Pedro de Alvarado ohnehin sich mit dem Plane trug, einen Zug durch das Stille Meer nach China zu unternehmen, und dieser spanische Held über eine hinreichende Anzahl von Schiffen und Soldaten gebot, so gab der Kaiser ihm den Befehl, nach den Islas de Poniente aufzubrechen, jedoch sollte er unter keiner Bedingung die Molukken oder irgend welche andere Besitzung der portugiesischen Krone berühren, noch auch in die Streitigkeiten der eingeborenen Fürsten und Portugiesen sich mengen. Alvarado begann auch sogleich sich zu rüsten; schon schien Alles zum Auslaufen bereit, als die Indier der Provinz Jalisco sich empörten. Alvarado zog gegen sie zu Felde, aber ein Sturz vom Pferde machte seinem abenteuerlichen Leben ein Ende.
Da das Geschwader segelfertig war, so beschloss der Vicekönig von Méjico, D. Antonio de Mendoza, es auch nach dem Tode des designirten Befehlshabers auslaufen zu lassen. Der Vicekönig trug das Commando zunächst dem in Méjico angelangten Urdaneta an, da aber dieser erklärte, die an die Führung der Expedition geknüpften Bedingungen und Vorschriften nicht annehmen zu können, so wurde der Oberbefehl einem Verwandten des Vicekönigs anvertraut, dem Ruy Lopez de Villalobos, von dem der alte Waffengefährte des Cortés, Bernal Diaz de Castillo, sagt: „que sabia mucho de alturas y del arte de navegacion”. Da, wie erwähnt, Alvarado seinen Zug bis nach China hatte ausdehnen wollen, so hatte er dementsprechend eine grosse Zahl von Schiffen zusammengebracht; der Vicekönig wollte das Ziel der Expedition auf die Islas de Poniente beschränken, und weil ohnediess der Aufstand in Jalisco der Flotte einen Theil der Besatzung entzog, so erhielt Villalobos den Befehl, sich nur die besten unter den Schiffen Alvarado’s auszusuchen, was denn auch geschah.