Am 1. November 1542 verliess Villalobos den mejicanischen Hafen Navidad (Natividad) mit fünf Schiffen und 370 Mann. Am 2. Februar 1543 erreichte er die Ostküste Mindanao’s und landete in der Caraga-Bucht. Bernardo de la Torre, Commandant der Landtruppen der Expedition, gab Mindanao[5] den Namen Cesarea zu Ehren des Kaisers. Sein Versuch, auf den an der Südspitze Mindanao’s liegenden Sarangani-Inseln eine Niederlassung zu gründen, misslang wegen Mangel an Lebensmitteln. Die Portugiesen auf den Molukken erhielten hiervon Kunde und schickten einen Gesandten ab, welcher von Villalobos die sofortige Räumung des gesammten Archipels forderte, weil er zum portugiesischen Weltantheil gehöre. Der durch eine grosse Anzahl erhaltener Vorschriften in seinem freien Thun und Lassen behinderte Villalobos schickte hierauf ein Schiff nach Neu-Spanien zurück, um neue Instructionen zu holen, aber dasselbe musste durch widrige Winde genöthigt umkehren. Villalobos verliess in Folge der eintretenden Hungersnoth die Sarangani-Inseln und suchte nach Cebú zu gelangen. Jetzt begann eine wahre Odyssee für diese unglückliche Expedition, welche beständig mit widrigen Winden und Mangel an Lebensmitteln zu kämpfen hatte. Umsonst schickte Villalobos von Butuan aus Schiffe nach Bohol und anderen Inseln, die Spanier schwebten beständig in der Gefahr, den Hungertod zu erleiden. Zwei seiner Brigantinen gelangten nach der Insel Sámar und zwar an die Ostküste derselben, welche damals Ibabáo genannt wurde, während der westliche, gegen Leyte gewendete Theil den Namen Sámar schon führte, welcher heute der ganzen Insel zukommt, während der Name Ibabáo vollständig in Vergessenheit gerathen ist, obwohl im XVII. Jahrhundert die ganze Insel auch Ibabáo genannt wurde. Die Spanier des Villalobos nannten die Insel nach dem Radjah von Ibabáo Tendaya (oder Tandaya), Villalobos gab ihr aber nach dem Infanten Don Felipe den Namen Filipina, ohne jedoch den Namen auf den ganzen Archipel auszudehnen, wie gewöhnlich angenommen wird. Noch am 15. Juli 1552 nennt Fray Nicolas de Witte in einem an den Kaiser selbst gerichteten Schreiben die von Magallanes entdeckten Inseln „Islas de Poniente”[6], was er gewiss nicht gethan hätte, wenn jener Archipel nach dem Sohne und Thronerben des Kaisers benannt worden wäre. Die Bezeichnung Neu-Castilien, welche Villalobos den heutigen Philippinen gab, gerieth ebenso schnell in Vergessenheit, wie der Name Islas de San Lazaro, den ihnen Magallanes verliehen hatte. Die Unmöglichkeit, Lebensmittel zu erlangen oder Cebú zu erreichen, zwangen schliesslich nach langen Irrfahrten den spanischen Admiral, mit dem Reste seiner Leute nach den Molukken aufzubrechen und den Portugiesen halbverhungert sich zu ergeben, nachdem ein Versuch misslungen war, ein Schiff in südlicheren Breiten (längs Neu-Guinea) nach Neu-Spanien um Succurs zu senden. Der Befehlshaber dieses Schiffes, der seekundige Mönch Fray Gerónimo de S. Estévan y Jimenez, gab angeblich Neu-Guinea den noch heute gebräuchlichen Namen. Die auf Sámar durch Schiffbruch zurückgebliebenen Spanier wurden durch Schiffe des Sultans von Tidore nach den Molukken gebracht.

Nach dieser unglücklichen Expedition verlor Kaiser Karl V. alle Lust, sich weiter mit den Islas de Poniente zu beschäftigen, sie hatten ihn nur Blut und Geld gekostet, ohne auch nur einen Ersatz für die auf ihre Entdeckung verschwendeten Opfer zu bieten; erst als sein Sohn Philipp II. zur Regierung gelangte, begann man am spanischen Hofe sich wieder der Islas de Poniente zu erinnern. Es ist nur zu wahrscheinlich, dass Urdaneta es war, der den König auf jenen entlegenen Erdtheil aufmerksam machte. Philipp entschloss sich im Jahre 1558 nochmals, den Versuch zu unternehmen, die Islas de Poniente zu erobern, er richtete ein in den schmeichelhaftesten Ausdrücken verfasstes Schreiben[7] an Urdaneta, in welchem er ihm mittheilte, dass der Vicekönig von Neu-Spanien den Befehl erhalten hätte, nach den Islas de Poniente (also Philipp kennt den Namen Philippinen nicht) eine Expedition auszusenden, und dass es der Wunsch des Königs wäre, dass Urdaneta an diesem Zuge Theil nehme. Urdaneta war inzwischen Augustinermönch geworden, und aus seinem Kloster in der Stadt Méjico schickte er dem Könige als Antwort auf dessen Schreiben ein ausführliches Memorial über die Schifffahrt in der Südsee und den ihm bekannten ostasiatischen Gewässern. Der Vicekönig hatte gleichzeitig den Befehl zur Ausrüstung jener Expedition erhalten, es stand ihm die Auswahl der Befehlshaber, der Schiffe und Mannschaft frei; die Richtung und Ausdehnung der Fahrt aber, kurz die ganze Direction der Unternehmung sollte dem erfahrenen Fray Andrés Urdaneta überlassen bleiben, der den Titel eines „Protector de Indios” erhielt. Auf Vorschlag des Urdaneta wurde sein Landsmann, der Baske Don Miguel Lopez de Legazpi zum Chef der Expedition ernannt, auch die Mannschaft der aus fünf Schiffen bestehenden Flotte bestand grösstentheils aus seekundigen Basken.

Am 21. November 1564 verliess die Expedition die Küste Neu-Spaniens; am 9. Januar 1565 wurden die Ladronen erreicht und am 13. Februar die erste Philippine, die kleine Insel Suluan, südlich von Sámar, der Legazpi den Namen Buen Señal (das gute Omen) gab. Da es nicht in meiner Absicht liegt, eine Geschichte der spanischen Eroberung der Philippinen zu geben, sondern mich nur mit der kurzen Registrirung der Entdeckungen zu beschäftigen, so erwähne ich, dass Legazpi zunächst Sámar aufsuchte und zwar den südlichen Theil, er nennt die Insel: „Ibabáo”. Von dort wandte er sich nach Leyte und landete bei dem uns schon durch Magallanes bekannten Inselchen Panaon. Da die Expedition trotz aller freundlichen Bemühungen die in die Bergwildnisse sich flüchtenden Eingeborenen zur Lieferung von Lebensmitteln nicht bewegen konnte, so entschloss sich Legazpi, am 14. März nach Mindanao zu gehen, entweder nach Butuan oder der Insel Camiguin, widrige Winde verschlugen ihn aber nach dem damals sehr schwach bevölkerten[8] Bohol, so dass er auch hier keine Lebensmittel auftreiben konnte, zumal auch hier die Eingeborenen sich mit den Spaniern in keinen Verkehr setzten. Legazpi schickte nun das schnellste seiner Schiffe, den S. Juan, unter Capitän Isla nach Butuan, um mit dem Fürsten dieses Landes einen Freundschaftsvertrag abzuschliessen und Lebensmittel und Zimmt dort einzukaufen. Ehe noch Isla von seiner glücklichen Fahrt nach Butuan zurückgekehrt war, hatte Legazpi durch Vermittelung eines Steuermannes aus Borneo sich mit den Häuptlingen von Bohol befreundet und mit dem vornehmsten derselben Blutsfreundschaft (beide tranken gegenseitig ihr Blut) geschlossen. Legazpi schickte den Piloto Mayor der Flotte, Don Estévan Rodriguez, in Begleitung des borneanischen Steuermannes, mit geringer Bedeckung mit einem kleinen Fahrzeuge ab, um Cebú zu recognosciren und die Route dorthin sicherzustellen. Als dieses Schiff lange ausblieb, wurden zwei spanische Soldaten auf einem Boote der Eingeborenen dem ersteren nachgeschickt, sie kehrten mit der Nachricht zurück, dass von dem ersten Fahrzeuge nichts zu erblicken wäre, dagegen brachten sie die frohe Kunde, dass Cebú von Reichthümern strotze, bald darauf traf Rodriguez ein und bestätigte diese Nachrichten, auch Capitän Isla langte mit reicher Ladung an. Das kam zur rechten Zeit, denn schon hatten Hungersnoth und Enttäuschung (man fand nirgends Gold) die Leute unzufrieden gemacht und selbst unter dem Officierscorps den Wunsch nach einer Rückkehr nach Neu-Spanien hervorgerufen, Legazpi hatte sich genöthigt gesehen, einen Kriegsrath einzuberufen, der erst nach langen und stürmischen Debatten sich für das Bleiben entschied.

Am 22. April verliess Legazpi Bohol, statt aber direct nach Cebú zu gelangen, wurde er nach Dapitan an der Nordküste von Mindanao verschlagen, wo ihm der Fürst desselben, Pagbuya, erst die Piloten gab, welche die Expedition glücklich nach dem Hauptorte Cebú’s brachten, wo Legazpi’s Schiffe am 27. April 1565 Anker warfen und zwar in der Ensenada de Mandave. Dort gründete Legazpi eine spanische Niederlassung, die er zuerst S. Miguel de Cebú nannte, deren Name er aber bald darauf in „Villa de Santísimo Nombre de Jesús” umänderte, als ein Soldat die Statue eines Jesuskindes fand, die wahrscheinlich von Magallanes’ Leuten zurückgelassen worden war. Fray Andrés de Urdaneta kehrte hierauf mit dem besten Schiffe nach Neu-Spanien zurück, um den Vicekönige den Bericht über den Stand der jungen Colonie zu erstatten und um Verstärkungen und Nachsendungen zu fordern[9].

Auch in Cebú litten die Spanier Mangel an Lebensmitteln, denn die Eingeborenen bauten nicht mehr als sie selbst brauchten, und das nach Neu-Spanien abgegangene Schiff hatte die wenigen Vorräthe vollständig erschöpft. Legazpi schickte den Capitän Goyti ab, um Lebensmittel aufzutreiben, Goyti wurde so der Entdecker von der Westküste von Cebú und den gegenüberliegenden Gestaden von Buglás, das er nach seinen schwarzen Bewohnern die Isla de Negros (Neger-Insel) nannte. Im folgenden Jahre (1566) gelangte der Oberst Mateo de Sauz bis nach Panay, als er Reis einkaufen wollte, bei dieser Gelegenheit besuchte er die Westküste von Negros. Derselbe Sauz (ebenfalls ein Baske) entdeckte noch in demselben Jahre die Nordküste der Isla de Baybay (Nord-Leyte), die Inseln Bilaran und Panamao, sowie den nördlich von der Juanico-Strasse gelegenen Theil von der Westküste Sámars. Der unermüdliche Sauz begab sich noch in demselben Jahre und zwar zum zweiten Male nach Butuan, und besuchte auch die Ostküste Mindanao’s, deren nördliche Strecke er Küste Coavit (nach dem heute Cavit geschriebenen Cap) benannte, dort stiess er aber mit einem portugiesischen Schiffe zusammen, denn die Portugiesen waren gekommen, um durch Güte oder Gewalt die Spanier zur Räumung der heutigen Philippinen zu zwingen. Die Portugiesen erschienen auch in der Nähe von Cebú, kehrten aber wieder nach den Molukken zurück, da sie die Spanier stärker vorfanden, als ihnen berichtet worden war. Im März 1567 wurde die Entdeckung von Panay durch den Capitän de la Haya vollendet.

In demselben Jahre schickte Legazpi ein Schiff nach Neu-Spanien ab, welches einen genauen Bericht des spanischen Generals an seinen König zu überbringen hatte. In diesem Briefe nennt Legazpi den ganzen von ihm bisher entdeckten Archipel „Islas Filipinas”, welche Benennung noch heute allgemein üblich ist. Die Inselgruppe, welche Cebú, Bohol, Leyte, Sámar, Negros und Panay umfasst, also jenen Archipel, welchen die Spanier Islas Visayas heute nennen, bezeichnete er mit dem Namen Islas de Pintados, weil die Eingeborenen sich den Leib zu bemalen pflegten. Der Name Pintados für die Visayer[10]-Inseln und deren Bewohner erhielt sich bis in den Anfang des XVIII. Jahrhunderts. Das Jahr 1568 brachte wenig neue Entdeckungen, weil die Spanier, von einer portugiesischen Flotte in Cebú angegriffen, Mühe hatten, sich des plötzlichen Angriffes zu erwehren.

Da Cebú zu wenig Lebensmittel producirte, so verlegte Anfang 1569 Legazpi sein Hauptquartier nach dem reichen Panay und zwar an die Nordküste dieser Insel, wo die heutige Provinz Capiz sich befindet, von da an jagt eine Entdeckung die andere. Der Sevillaner Edelmann D. Luis Henriquez de Guzman entdeckte und eroberte die Inseln Masbate, Burías und Ticao, von dort gelangte er nach der Landschaft Albay, dem südlichsten Theile Luzons, er war also der erste Spanier, welcher die grösste Insel der Philippinen betrat, und das betone ich ausdrücklich, weil man oft der Ansicht begegnet, die Entdecker Luzons wären Goyti und Salcedo gewesen[11]. Ihn begleitete auf diesen Zügen der Augustiner Fray Alonso Jiménez. Die vollständige Unterwerfung dieser Gebiete führte unmittelbar darauf der Capitän D. Andrés de Ibarra aus. Damals führte Albay den Namen Ibalon oder wurde wenigstens so von den Spaniern genannt.

Zur selben Zeit unternahm der heldenmüthige Enkel Legazpi’s, Don Juan de Salcedo, an der Spitze von 30 Spaniern und 500 Eingeborenen eine Expedition nach der den Spaniern noch unbekannten grossen Insel Mindoro, deren Küsten er befuhr; er entdeckte noch überdiess die Insel Lubang und kam auf diese Weise in die unmittelbarste Nähe der Bay von Manila.

Inzwischen hatte Legazpi den Befehl vom König erhalten, den gesammten Archipel der Philippinen der spanischen Krone zu unterwerfen, deshalb trachtete er vor Allem darnach, Manila’s sich zu bemächtigen, dessen Kaufleute und Schiffe er in Mindanao wie den Pintados getroffen hatte und von dessen Reichthume sich die Spanier überschwengliche Vorstellungen machten. Während er sich mit den Rüstungen zu diesem Zuge und dem Aufbau seiner Befestigungen in dem zu einer Ciudad (kgl. Freistadt) erhobenen Cebú (Santísimo Nombre de Jesús) beschäftigte, wurden der Maestre de Campo (Oberst) Goyti und Juan Salcedo mit mehreren Schiffen und 120 spanischen Soldaten und zahlreichen „Pintados” abgeschickt, um Luzon, insbesondere Manila, zu recognosciren (1570).

Die Expedition erreichte Luzon an den Küsten der heutigen Provinz Batangas, welche damals Comintana genannt wurde, hier trennten sich die beiden Führer, Goyti segelte nach Norden und wurde so der Entdecker der herrlichen Bai von Manila, Salcedo aber entdeckte den grossen Binnensee von Bombon, in dessen Mitte auf einer kleinen Insel der niedrige aber unheilvolle Vulcan von Taal sich befindet. Damals war das kurze Flüsschen, welches die Laguna de Bombon mit dem Meere verbindet, tief genug, um den seichtgehenden Schiffen Salcedo’s das Einlaufen in den See zu gestatten. Als aber Salcedo mit den Umwohnern der Lagune in Kampf gerieth und selbst verwundet wurde, zog er sich zurück und vereinigte sich erst vor Manila mit Goyti. In Manila wurden die Spanier plötzlich überfallen, woran vielleicht portugiesische Wühlereien Schuld trugen, wenigstens fand man nach der Erstürmung des hölzernen Forts des Sultans von Manila einen Portugiesen, welcher die Artillerie befehligt hatte. Ich glaube, dass jener Portugiese kein Agent seines Vaterlandes gewesen ist, die dürftigen Nachrichten gestatten den Schluss, dass er ein Deserteur oder Renegat gewesen sei. Nach der Züchtigung der verrätherischen Eingeborenen kehrten Goyti und Salcedo nach Panay zurück.