»Ja, liebe Tante!« gelobte die drollige kleine Sophie, »wir wollen auch recht vergnügt sein!«
»Ich bin es schon!« sagte Ernst. »Ich ja auch« erklärte Louise. »Aber,« fügte sie hinzu, als ob sie sich rechtfertigen wollte, »ich möchte doch wissen, warum gerade heute so viele Leute in die Himmelpforte gehen?«
Ernst nahm eine wichtige Miene an, als ob er viel weiter sähe, und fragte: »Das weißt du nicht einmal? Ist denn heute nicht Himmelfahrt?«
Louise schien mit dieser Auskunft befriedigt zu sein. Tante Elisabeth und der Vater wunderten sich im Stillen über den naiven Einfall, der die beste Deutung der unterbewußten Volkssitte zu sein schien, die sich geben ließ.
Indessen glaubte der Vater doch die Gelegenheit wahrnehmen zu müssen, das Nachdenken der Kinder weiter zu führen, und sann eben darüber nach, wie sich wohl an den Namen Himmelpforte ein für die Kinder faßliches Lehrgespräch anknüpfen ließe, als ihm der Zufall dabei zur Hülfe kam.
Sophie that die ihm sehr willkommene Frage, woher wohl der Name Himmelpforte gekommen sei? Ehe er sie aber noch beantworten konnte, begüßte ihn ein Bekannter, der mit seiner Familie aus dem nahen westlichen Thore der Stadt gekommen war, und in deren Gesellschaft nun der Weg nach der Himmelpforte weiter fortgesetzt wurde.
II.
Die hinzugetretene Wander=Gesellschaft bestand aus dem Archivarius Herrn Gründler nebst seiner Frau und drei Kindern, Hermann, Marie und Julie, die zwar im Alter schon weiter vorgerückt waren, als die Lehrwart'schen Kinder, sich aber dennoch freundlich mit ihnen paarten.
Nach den ersten wechselseitigen Begrüßungen sagte Vater Lehrwart dem werthen Freunde, es sei ihm doppelt lieb, mit ihm zusammenzutreffen, weil er hoffe, mit seiner Hülfe den eben gehegten Wunsch, den Gang nach der Himmelpforte für seine Kinder lehrreich zu machen, desto besser erreichen zu können. Er bitte, ihm ein= und auszuhelfen, wo seine Kunde nicht hinreichen sollte.
Zuvörderst sei er seiner kleinen Sophie die Antwort auf die Frage schuldig, woher der Name Himmelpforte wohl stamme? Ueber den Ursprung dieses Namens glaube er nun schon selber aus dem Archive, worin er zu Hause sei, Auskunft geben und sich dieserhalb auf eine der allerältesten Urkunden von der Welt berufen zu können.