Frau Klotilde Zeltner wird dem Balle in der Villa beiwohnen, in Gesellschaft einer griechischen Kapitänsgattin als Anstandsbegleiterin, welche Baron Heidenbrunn besorgt. — Der Prinz macht sich verbindlich, zehn Minuten lang mit Frau Klotilde in einer Weise zu sprechen, daß die Gesellschaft des Anblickes der Unterhaltung theilhaftig werde. — Ihrerseits bewilligt sie eine Unterredung, à discrétion über zehn Minuten, außerhalb der Gesellschaft. — Dieselbe stellt schließlich unbestimmte Verlängerung ihres Aufenthaltes in Aussicht. —

Der Adjutant suchte vergebens den Schlüssel zur Erklärung des schnellen Ueberganges zum Sistem der Konzessionen. —

Klotilde hatte Zeit gehabt, Günther’s Andeutungen auf der Reise zu überlegen, und den Gedanken, daß Kollmann die Erscheinung seiner Frau zu Gunsten seiner Angelegenheit in die Wagschale legen könne, so lange ausgemalt, bis sie überzeugt war, derselbe sei bereits in der Hafenstadt angelangt, und in einer niederträchtigen Intrigue begriffen. Als, auf ihr Befragen, Heidenbrunn von Schritten eines Herrn Kollmann beim Prinzen so wenig als von einer Frau dieses Namens wußte, ward sie ruhiger, hielt es jedoch für angemessener, das streitige Terrain zu occupiren. Sie kannte den Karakter des Prinzen hinlänglich, um zu wissen, daß er unter dem ersten Reize eines glücklichen Verhältnisses unzugänglich für andere Eindrücke sei, und beschloß ihm so viel Hoffnung zu geben als möglich, wenn noch welche übrig bleiben sollte. —

— — Der Himmel bescheerte dem Prinzen einen umwölkten Abend, — der erst spät einer hellen Mondnacht wich — als Hintergrund seiner Illuminazion. Der Chef der Gaskompagnie wüßte vielleicht zu sagen, wie viele Tausende von Flämmchen die Form der Villa in feurigen Linien auf den Grund des Waldes zeichneten. Weder Jemand von der Gesellschaft noch der Prinz hat sie gezählt, sondern Letzterer nur bezahlt, und wenn man das Spalier der Pechpfannen von der Stadt bis auf den Berg, die Girandolen auf dem Vorplatze, das bengalische Feuer auf der Kuppel und die alle fünf Minuten nach dem Himmel fahrenden Büschel von farbigen Raketen dazu rechnet, so läßt sich annehmen, daß dieser Versuch, die Nacht bei Tageslicht anzuschauen, allein so viele Mittel in Anspruch nahm, als die Verwandlung von einem Paar Hundert kalter und finsterer Stuben in warme und helle für die ganze Dauer des Winters. — — Eine nördliche Reflexion! — den tropisch heißen Empfindungen gegenüber, mit welchen die Munizipalität mit Frauen und Töchtern den Berg hinanrollte, größtentheils in viersitzigen Wägen in der gewöhnlichen, durch Verspätung und Angst des Kleiderzerdrückens erzeugten Familienverstimmung. — Kühler fuhren die Damen der höchsten Gesellschaft dahin, einzeln oder zu zweien — es war ja eine Konzession, welche die geschmückten Opfer mit lächelnder Resignazion der Lieblingsmarotte des Prinzen brachten. Am kühlsten die alten Militärs, welche berechneten, wie viele Stunden sie im Glühofen dieses Feenpalastes mit loyaler Freudigkeit dorren mußten. —

In eigentlich froher behaglicher Stimmung kamen nur die Frauen der haute finance; wir werden hören warum.

Mit welcher Empfindung aber auch Jeder gekommen sein mochte — wenige Minuten nachdem er durch die Blumenpforte des Vestibule getreten, wurde er von jener erfaßt, welche sich gleich in der ersten Stunde, nachdem sich die Geladenen versammelt, Bahn gebrochen hatte.

Es gibt Gesellschaften, die einem ummauerten Teiche gleichen mit einem langweiligen Triton in der Mitte, und schief im Wasser stehenden, glotzenden Goldfischen.

Andere — seltene, glückliche! — mahnen an eine frische Quelle, die durch Felsen schlüpft und in welcher sich die Forellen jagen.

Die Goldfische in den steifen Uniformen wußten Anfangs nicht, wie ihnen geschah, als sie in das gewohnte schwüle stehende Wasser zu fallen meinten, und von einer wirbelnden Flut gefaßt wurden, die sie fortriß.