„Es steht mir ein Organ zu Gebote, durch welches ich dem Minister des Innern auf vertraulichem Wege solche Korrespondenzen aus verschiedenen Provinzen zukommen lasse, welche von sicherer Hand nach meiner Angabe verfaßt und geeignet sind, ihn in seinem Centralisazionssistem zu bestärken, und welche er höchsten Ortes vorlegen kann, als Beweis der Zufriedenheit im Lande und der Ungerechtigkeit seiner Gegner.“

„Ich überschätze meine Thätigkeit nicht, wenn ich behaupte, daß mir Mittel zur Verfügung stehen, durch einen Vertrauten des General-Adjutanten und durch ein fürstliches Haus Belege in die Hand des Monarchen zu spielen, daß jede Konzession vom Volke nur als ein Zeichen der Schwäche betrachtet würde, und daß eisernes Festhalten am aristokratischen Prinzip in der Armee und unbedingte Suprematie derselben über alle übrigen Stände von den wahren Freunden der Dinastie als das einzige Rettungsmittel bezeichnet wird.“

„Ich habe in kirchlicher Beziehung auf dem kleinen Felde, worauf ich beschränkt bin, eine Saat gesäet, aus der in kürzester Zeit, vielleicht in dem Augenblick wo wir sprechen, ein Konflikt, Repressivmaßregeln und ein neuer, wenngleich nur lokaler Sieg der Konkordatpartei hervorgehen müssen.“

„Es ist nicht unmöglich, daß in Folge dieses Konfliktes eine geschäftliche Maßregel ergriffen wird, die den Wirkungskreis des Prinzen August Ernst berührt, die Spaltung zwischen ihm und dem Hofe erweitert, — daß hiedurch sein Wirkungskreis beschränkt, und somit ein populäres, wenigstens hier besänftigendes Element beseitigt werde.“

„Ich habe mir diese Verbindungen auf keinen andern Wegen geschaffen, als die ich mir selbst eröffnete, ohne andere Geldmittel als das Vermögen, das mir meine Frau zugebracht; — habe mich aus der Stellung eines in Privatdiensten stehenden Ingenieurs zum Grundbesitzer, Kapitalisten, und auf eine Stufe emporgeschwungen, auf welcher ich mit Personen aller Kreise der Gesellschaft, die höchsten mit einbegriffen, im Verkehr stehe, und darf behaupten, daß wenn Sie in jeder Provinz drei Vertreter hätten wie ich, in einem Jahre das Konkordat in allen seinen Bestimmungen durchgesetzt, die Zensur wieder eingeführt, die Herrschaft des militärisch-aristokratischen Elementes auf die Kulminazion getrieben und somit die Revoluzion so gut als vollbracht wäre.“

„Und somit habe ich Ihnen Rechnung gelegt, und glaube unsern Mannheimer Vertrag besser gehalten zu haben, als jemals unsere Gegner einen ihrer Friedensverträge.“

Kollmann schwieg, weder seine Stellung noch die Richtung seines Blickes ändernd, und blies in gleichen Pausen das Havanna-Gewölke von sich. Es lag etwas Imposantes in der kalten Ruhe, womit er seine Leistungen auf dem Felde des „Nur so fort“ aufzählte. Der Demokrat fühlte, daß er einen Mann vor sich habe, der aus der Schaar der gewöhnlichen nach vorwärts und rückwärts wühlenden Emissäre hoch emporrage, und freute sich, seinen Werth in der ersten kurzen Unterredung vor Jahren erkannt zu haben.

Er erwiederte mit Lebhaftigkeit: „Sie haben unberechenbar mehr für unsere Sache gethan, als wir zu erwarten berechtiget, als Sie durch Ihr Versprechen zu leisten verpflichtet waren. Sie gehören nicht zu denen, deren Triebfeder das Geld der Revoluzions-Comités, — Ihre Lage ist vielmehr eine solche, die Ihnen erlaubt, Andere zu unterstützen. Eben so wenig der Ehrgeiz: Sie haben so viel erreicht, daß Sie bei einem Umsturz der Dinge kaum mehr erreichen können. Von einem Danke unserer Gesellschaft kann Ihnen gegenüber im gewöhnlichen Sinne keine Rede sein. Wir können aber mit Gewißheit darauf rechnen, quitt zu werden, wenn das Ziel unseres Strebens erreicht ist. Im Augenblicke des Umsturzes stehen Sie als das Opfer desselben da. Ihr Name gehört nicht mehr zu jenen, die in Zeiten der Krisis in der Masse verschwinden: er wird auf der Proskripzionsliste, die das Volk mit dem ersten vergossenen Blute niederschreibt, unter denen der gehaßtesten Reakzionäre figuriren. Sie können hundertmal beschwören, daß Sie nur auf Ihrem Wege für die Sache der Freiheit gehandelt — man wird Ihnen ins Gesicht lachen und antworten: das könnte Jeder sagen. Es ist dieß der Augenblick, wo das volle Gewicht der Bürgschaft unserer Partei und ihrer Häupter Ihnen zur Seite stehen muß und wird! Ich habe dafür gesorgt daß, wenn die Flut hereinbricht, Sie in die neue Ordnung der Dinge auf einer Brücke hinübergehen, deren Pfeiler die Namen der gefeiertsten Volksmänner sind, welche sich vor Sie hinstellen und sagen: Wir kennen ihn! — So viel als Antwort auf Ihre gewichtigen Mittheilungen, insofern ich als Repräsentant unserer Gesellschaft spreche, zu deren, des vollsten Dankes würdigem Mitgliede. — Als Wangerode gegen Kollmann erlauben Sie mir einige Bemerkungen. Wir haben die sichersten Andeutungen, daß leider die Tage des Grafen Greuth und des Ministers des Innern und anderer für uns so unschätzbarer Männer gezählt sind, daß man mit Reformen umgeht, die Alles ins Weite schieben können.“

— „Besorgen Sie nichts! Noch stehen die Genannten fest. Und wenn sie fallen, — immerhin! — es kommt zu spät. Reformen? Ohne Zweifel bekommen wir ein oder das andere leidliche Gesetz. Wir sind aber in ein Stadium getreten, wo man die Gabe nicht mehr will wegen der Hand, aus welcher sie kommt. — Die Liebe ist dahin, — und wenn sie Jeden, der dies behauptet, auf die Festung schicken, bis das ganze Land in den Kasematten, — sie ist doch dahin! Sie wissen, was ich von der Liebe überhaupt, geschweige denn von jener des Volkes halte; man kann nicht durch die Liebe allein regieren, aber auch nicht ohne sie. Sie ist die Musik zum Tanze der Unterthanen. Sie tanzen jetzt nur nach dem Taktstocke des Kapellmeisters. Die besten Gesetze haben keinen Klang mehr, sie tönen höchstens wie Nothschüsse eines sinkenden Schiffes.“

— „Mögen Sie recht sehen! Aber über das Wesentlichste sind wir nicht im Reinen. Ihre Idee ist in drei Worten zusammengefaßt die, das Sistem so zuzuschärfen, daß die Spitze bricht. An wem soll sie aber eigentlich brechen? Am Volke?“