Es läßt sich denken, daß Arnold schnell und freudig gehorchte.

„Da haben Sie, fuhr sie fort, ein Bild meines Lebens: — ein Ort, der die Heimat des Friedens scheint, und aus dem doch alle Ruhe verbannt ist. — Wenn ein Augenblick einer ruhigen frohen Träumerei kommt, so fährt ein greller Mißlaut dazwischen, wie jetzt der tolle Lärm dieses guten Menschen, und doch verletzt dieser mich hundertmal weniger als manches Lied mit oder ohne Worten, dessen Ton rein und dessen Sinn falsch ist — und das ich doch anhören muß.“

Sie erschien Arnold mit jedem Augenblicke schöner, als sie, den Lockenkopf senkend, mit schmerzlichem Lächeln vor sich hinsah.

Er erwiederte: „Und doch ist nun auch dieser grelle Mißlaut verklungen, und so muß es jeder andere, wenn Sie ihn nicht in Ihrer Seele nachklingen lassen. Ich vermag nicht über frohe und schmerzliche Bewegungen in Ihrem innern und äußern Leben zu urtheilen, aber daß Sie die Gabe besitzen müssen, jede Dissonanz in den Akkord zu lösen, wenn Sie nur ruhig wollen, davon bin ich fest überzeugt.“

Ruhig wollen?“ wiederholte sie — „Ich kann mir nur ein heftiges, heißes Wollen denken.... wer Ihr Mittel besitzt, der bedarf seiner schon nicht mehr!“

Sie schwieg einen Augenblick, wendete sich gegen ihn und sprach mit leiser Stimme, aber jedes Wort betonend und langsam: „Könnten denn Sie Jemanden — — so recht innig — vom Grund des Herzens — bis in den Tod — — unversöhnlich hassen?“

Mag man es einen Wahnsinn nennen, daß Arnolds Blut heiß aufwallte und zum Herzen drang, als die Worte, so langsam einander folgend, jedes die Erwartung des folgenden spannend, über die wunderbar reizenden Lippen traten.

Konnte er sich denn auch nur träumen lassen, daß statt „hassen“ ein anderes Wort schließen würde? — Und wenn es kam — — hätt’ er sich dessen freuen können? — War er der Mann, der ein Glück in einem flüchtigen Abentheuer fand, wenn die Frage von der schlimmsten, rasch auf ihr Ziel hinsteuernden Koketterie eingegeben war? — und welche Erklärung hätte es gegeben für eine solche Frage an einen jungen Mann, den die schöne Frau eine Stunde lang nicht kannte, sondern sah? welche Erklärung, die nicht dem Paradiesvogel ihrer Anmuth die schönsten Schwungfedern, dem Schmucke ihres Geistes die glänzendsten Juwelen ausgebrochen hätte?

Doch das andere Wort kam eben nicht, und einen Augenblick später freute er sich dessen.

Seine Wangen waren aber mit einer im Abenddunkel freilich nicht sichtbaren Glut übergossen, als er bei der Dissonanz, womit die Frage schloß, erst klar fühlte, welchen Klang er erwartet... welche Gedankensünde er gegen sie begangen.