— — „Das geht nicht durch mich; der Gouverneur gibt dem General-Adjutanten eine Liste, sie machen das mit einander, ich scheere mich um diese Ceremonien nicht.“

— „Sie werden aber doch mit dem Grafen Greuth ein Wort für mich reden können“ —

— „Gott weiß wie er aufgelegt ist!“

— „Was fragt ein Mann wie Sie darnach? und schließlich — fuhr er in bestimmtem Tone fort — ist meine Bitte eine solche, die man selbst um einer kleinen Ungelegenheit willen einem Freunde nicht abschlägt. Oder glauben Sie, daß ich mich besinnen werde, Sie wieder auf die Liste zu setzen, wenn die schöne Frau Marianne Blauhorn in meinem Freinhof Audienz gibt, — wobei ich mein ganzes gewonnenes Terrain beim Finanzminister aufs Spiel setze?“

Hieran war dem Obersten wenig gelegen, wohl aber an Kollmanns Diskrezion der alten Gräfin Mersey gegenüber.

Es fällt hier einiges Licht auf einen sinnreichen Mechanismus des gewandten Ingenieurs. Frau Marianne Blauhorn besaß, wie wir wissen, bedeutenden Einfluß auf den Finanzminister. Von dem Augenblicke an, wo die Bemühungen des Obersten um sie, welchen Kollmann die Wege geebnet, von Erfolg gekrönt waren, hielt er Beide in doppeltem Schach. — Frau von Blauhorn wußte, daß ein einziges billet-doux Plomberg’s zugleich der Scheidebrief zwischen ihr und dem Minister wäre, und hing von Kollmann’s Verschwiegenheit ab. Der Oberst war überzeugt, daß die Mersey augenblicklich die Schuldenzahlungen einstellen würde, wenn sie von seinen Beziehungen zur schönen Hofräthin eine Ahnung hätte.

Diese Reflexion mochte ihm wieder vorschweben als er sagte: „Nun denn, in Teufelsnamen, damit sie nicht an meiner Freundschaft zweifeln, — ich getraue mich, es durchzusetzen, obwol die Liste fertig. Kommen Sie um halb ein Uhr. Aber Eins muß ich wissen, den Zweck der Audienz.“

„Sehr gern, und wenn Sie ihn nicht billigen, nehme ich meine Bitte zurück.“

Kollmann theilte ihm sein Vorhaben mit, das wir bei der Audienz selbst erfahren. — „Das wird jedenfalls refüsirt, erwiderte Plomberg, ich weiß einen ähnlichen Fall von Seite des Fürsten Leuchtendorf, und man wird Ihnen keine andere Antwort geben als ihm.“

Kollmann wußte dieß so gut als der Obrist. „Glauben Sie dessen ganz gewiß zu sein?“ fuhr er fort. —