Es ist ein Uhr, die Stunde der Aufwartungen. Der Generaladjutant legt ihm die Liste derjenigen vor, welche des Glückes harren, einen Moment lang als Sonnenstäubchen im Glanze der Majestät zu spielen, — er überfliegt sie schnell und begibt sich nach dem Audienzzimmer.
Der anstoßende Saal, in welchem die Vorzulassenden warten, ist zur Hälfte gefüllt. — Drei zu unregelmäßigen Linien ausgedehnte Gruppen stehen hintereinander.
Die erste besteht aus den glänzenden, mit dem leichten Anstande der Gewohnheit getragenen Militäruniformen, gemischt mit einigen geistlichen Talaren. Hinter diesen die uniformirten Beamten, mit gepreßten Hälsen und gehemmter Blutzirkulazion, — die Jüngeren durch Herausbäumen der Brust sich eine Contenance gebend, dem Militär gegenüber; — Mancher auf seinen Nachbar schielend, um sich zu orientiren, wie der Federhut vorschriftsmäßig in der Hand zu halten. Endlich die glanzlose Schaar jener andern schwarztrauernden Civilisten, welche, sie mögen leisten was sie wollen, nicht als dem Staate dienend erscheinen.
Ein freier Raum ist zwischen diesen Reihen und der Thür des Audienzzimmers. An letzterer stehen zwei Adjutanten, deren einer, mit einer Gegenliste versehen, die Namen nach einer mit dem subtilsten Gradmesser ausgearbeiteten Skala dergestalt aufruft, daß in dem Augenblicke, wo ein Vorzulassender eintritt, ein Zweiter schon en réserve in dem freien Raume steht und ein Dritter sich aus den Reihen loslöst, so daß keine Sekunde Unterbrechung eintreten kann.
Das Prinzip des Dampfes und der Elektrizität ist auch in die Audienzen gefahren. Der Wind der sich schließenden Thür ist noch nicht verweht, so öffnet sie sich wieder, und ein Gesicht, über welchem der heiße rothe Glanz der verklärenden Minute liegt, tritt heraus und wird durch ein noch steifes, gespanntes ersetzt, welches im nächsten Augenblicke seinerseits als geschmolzene Wachslarve aus dem Brennspiegel der Majestät heraustritt.
Gleich die ersten Wiederkehrenden verbreiten eine erfrischende Atmosfäre im Saal. Der Monarch hat das große goldne Füllhorn in der Hand und schüttelt es über Jedem.
Die Stadt erhält die anderswohin verlegte, schmerzlich entbehrte Kadettenschule zurück — ein Militär-Schwefelbad wird auf Staatskosten gegründet — ein leerstehendes Aerarialgebäude wird der Gendarmerie überlassen — die engbrüstige gothische Domkirche wird mit einem modernen Ansatz erweitert — der titellose Bürgermeister Giordani wird mit der Anrede „lieber Regierungsrath Giordani“ empfangen — alle Gesuche werden reiflich erwogen und nach Thunlichkeit berücksichtigt werden. — Wenn man bedenkt, daß die Thürflügel sich sechsundfünfzigmal öffneten um Jemanden einzulassen, den der Monarch zu sehen erfreut war, so läßt sich annehmen daß seine summirte Gesammtfreude eine ganz andere sein mußte, als die der Einzelnen.
Nachdem die Militärs und Geistlichen dieselbe durchgenossen, kam die Reihe an die blaue Konsuls-Uniform Kollmann’s. Seine Audienz währte zum Staunen der Harrenden mindestens viermal so lange als die übrigen, den Bischof ausgenommen.
Vor den Monarchen tretend begann er: