Da nämlich der Monarch allein empfängt, und der Dienst an den Thüren durch zwei Adjutanten von geringerem militärischen Range als jener des Grafen Greuth versehen wird, so veranstaltet dieser in einem anstoßenden Zimmer einen Nachdruck der souveränen Prachtausgabe der Audienzen. — Der Aufwartung avant la lettre beim Herrscher folgt jene beim General-Adjutanten, wie man nach dem Gebrauche von Karlsbad meist noch ein anderes Wasser als Nachkur trinken muß, wenn ersteres wirken soll. — Der Graf betrachtet die seiner Person geschenkte Aufmerksamkeit nur als eine seinem Gebieter erwiesene Ehre, — er selbst hat über alle ihm vorgetragenen Angelegenheiten gar Nichts zu entscheiden, Nichts darein zu reden, man begreift kaum, wie der Monarch einen General-Adjutanten haben mag, der sich um Nichts kümmert, was im Staate vorgeht. Doch ist es so, und er thut was er kann, um die fixe Idee zu beseitigen, daß es ganz im Gegentheile gar keine Angelegenheit gebe, in die er nicht hinübergreift. Man weiß, wie schwer ein eingewurzeltes Vorurtheil ausgerottet wird, und der Graf mußte auch heute ein halbes Hundert Male die Versicherung bekämpfen, daß man nur dann vollkommen beruhigt nach Hause gehe, wenn der vom Monarchen ausgestellte Gnadenwechsel mit dem Akzept des General-Adjutanten versehen worden.

Kollmann erzählte ihm den Verlauf seiner Audienz und bat, seinen Einfluß zu verwenden, um vielleicht bei sich ergebender Gelegenheit den Gebieter für seinen Antrag zu stimmen.

— „Das ist umsonst, lieber Herr Kollmann,“ erwiederte der Graf — „ich kenne den Herrn, aber Sie können überzeugt sein, daß Sie ihm eine Freude gemacht haben. Bei einem andern Anlasse dürfen Sie auf gnädige Aufnahme jedes Gesuches rechnen.“

— „Ich habe nicht gewagt, Seiner Majestät ein für mich sehr wichtiges Anliegen vorzutragen, da es leider gegen Jemanden gerichtet ist, der sich des hohen Schutzes des Prinzen August Ernst erfreut.“

— „Wie ist das?“ fragte der Graf aufmerksam.

— „Es ist ein Gegenantrag gegen das Lieferungsoffert einer Firma Korbach.“

— „Ich kenne den Namen. Warum glauben Sie, daß ihn der Prinz protegirt?“

— „Ich schließe es aus Dingen, die wohl an sich zu unbedeutend sind, um Euer Excellenz damit“ —

— „Heraus damit! Sie sehen doch, daß ich auf Ihre Angelegenheit eingehe.“

— „Der Prinz hat ihm, wie ich im Marinedepartement gehört, Zusicherungen ertheilt, und ihn auf dem gestrigen Balle mit besonders gnädiger Herablassung behandelt, wie ich aus dem Munde einer Frau erfahren, welche anwesend war, und vielleicht in der Lage ist über die Gesinnungen Seiner Hoheit unterrichtet zu sein.“