Das vertrauliche Detail war gewagt, aber der Graf war über Freiheiten, die sich Jemand herausnahm, nur dann empfindlich, wenn sie seine Person betrafen. Mit Aeußerungen über den Prinzen nahm er es, bei dessen gespannten Verhältnissen zu seinem Herrn, nicht so genau.

Er fragte weiter: „Wer ist die Frau?“

„Eine Frau Klotilde Zeltner.“

— „Ah“ — rief der Graf mit gedehntem Laut — „die Zeltner! — deren Mann auf der Festung sitzt; und die war auf dem Balle?“

„Euer Excellenz zu dienen, und da sie sich besonderer Aufmerksamkeit von Seiten des Prinzen erfreute und vom jungen Korbach begleiten ließ, so gerieth ich auf die Vermuthung, daß letzterer eine persona grata und somit für mein Anliegen wenig Hoffnung vorhanden sei. Ich durfte um so weniger wagen, es dem Monarchen vorzutragen, da es ein falsches Licht auf mein Anerbieten geworfen hätte.“

„Da haben Sie Recht gehabt. Es wäre aber möglich, daß sich in Ihrer Sache Etwas thun ließe. Geben Sie noch nicht Alles auf.“

„Nach diesem Worte von Euer Excellenz gewiß nicht.“

„Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe Nichts darein zu reden, ich mache meinen Adjutantendienst und kümmere mich sonst um Nichts. Es wäre aber möglich, daß der Prinz selbst seine Ansicht änderte. Hoffen Sie das Beste, — es würde mich freuen, Sie zufriedengestellt zu sehen.“

— Kollmann war es im vollsten Maße, als er den Grafen verließ. Dieser rief den zur Suite gehörenden immer in der Nähe befindlichen Plomberg zu sich, und fragte, ob er den vertraulichen Auftrag in Betreff Korbachs durch Heidenbrunn bestellt habe. — Der Oberst berichtete, er habe mit letzterem gesprochen, und glaube, der Prinz dürfte bereits in Kenntniß sein.

„Ich verstehe Sie nicht,“ versetzte Graf Greuth — „Sie reden von glauben und dürfen, — sollen etwas Positives von der Aufnahme der Sache wissen, und ich glaube, daß gar nichts geschehen ist, nach Allem was ich sehe und höre.“ — Darauf entließ er in der übelsten Laune den an den Wetterwechsel gewohnten Plomberg, welcher die sich häufig bis zu einer gewissen Grobheit steigernde Derbheit des Grafen flegmatisch ertrug. Sie waren verwandte Naturen, die sich immer wieder anzogen. Der Oberst war, wie er sagte, der „Rechte“ für den General-Adjutanten; dieser besaß, bei dem Mangel tieferer Kenntnisse und diplomatischer Schule, eine angeborne Schlauheit, die ihn immer das „Rechte“ treffen ließ. Unter dem Rechten verstand er dasjenige, was zur Befestigung seiner Stellung dienlich war. — Und darunter stand obenan die Benützung menschlicher Schwächen, vor welchen ein sterbliches Haupt durch keine Kopfbedeckung bis hinauf zur Krone, und das Herz durch keinen Hermelin zu bewahren ist. — Plomberg wußte, daß seine Stunde wieder kommen werde, wenn ihn der Graf zu Etwas gebrauche, wodurch er der menschlichen Natur seines Herrn zu dienen glaubte. — Zum Dienste der übermenschlichen standen ja ohnedem — wir können nicht sagen wie viele — Millionen bereit.