Arnold befand sich in einem jener Räume, die durch eigenthümlichen, individuellen Karakter angenehm berühren, deren Einrichtung kein Gemeinplatz, keine Zusammenstellung der in den betreffenden Magazinen von Möbeln und Luxusartikeln vorgefundenen Gegenstände ist, sondern der Ausdruck des persönlichen Geschmackes, die Ausführung der eigenen Ideen des Bewohners. — Die dunkelrothen, mit alten werthvollen Gemälden, größtentheils Niederländern, bedeckten Tapeten, die hohen, in den reinsten Renaissance-Formen gearbeiteten Lehnstühle, die Marmorplatte des Tisches mit acht abgerundeten Ecken, der grüne langwollige, wie Moos dem Tritte nachgebende Teppich, — die kunstvolle Zeichnung der Holzmosaik des Plafonds — Alles war volle Harmonie in Farbe und Form, und wo auch der Blick sich hinwendete, fand er einen wohlthuenden Ruhepunkt und ward durch schöne vermittelnde Linien weitergeleitet.

Der Kammerdiener öffnete nach einigen Augenblicken die schweren Vorhänge der Thür zu Sembrick’s Kabinet und Arnold stand einer von jenen Erscheinungen gegenüber, welche nimmer vergessen noch verwechselt werden können.

Die Natur gräbt zum Ausprägen einiger Gestalten einen eigenen Stempel, den sie dann zerbricht, während die Massen nach gewissen vorräthigen, ein Paar Tausend verschiedene Typen darstellenden Formen gegossen scheinen, denen man mit gewissen Varianten immer wieder begegnet.

Edmund von Sembrick mahnte an ein einziges, — nur einmal über die Erde gegangenes Vorbild: — — der Stempel, nach welchem seine Züge ausgeprägt schienen, ist vor achtzehn Jahrhunderten zerbrochen worden. — —

Es glänzte aber in den Augen dieses Christuskopfes nicht der sanfte Schimmer der versöhnenden Liebe, sondern das Feuer, vor dem die Käufer und Verkäufer aus dem Tempel flohen. —

Auch in der Umgebung des Mannes grünten keine Palmen- und Olivenzweige: — alte, breite Schwerter, gekreuzte Pistolen, Pulverhörner, Schrotbeutel, bildeten an der Wand ein von einem geschlossenen Helm gekröntes Tableau, dessen Devise eben nicht lautete „der Friede sei mit Euch.“

Mit stummer Verbeugung erwiederte er Arnold’s Worte: „Ich erfülle den Auftrag einer Dame, indem ich diesen Brief persönlich übergebe“ — erbrach das Siegel, durchflog die Zeilen, und wie groß auch seine Herrschaft über jedes Zeichen seiner Empfindungen war, verrieth doch der Schatten, der über die Stirn flog, daß die runden Schriftzüge verwundende Spitzen für ihn hatten. —

Wenn Arnold, welchem trotz seiner Jugend eine bloße äußere Erscheinung nicht leicht imponirte, von jener des Barons einen Augenblick beherrscht war, als ihm dieser im ganzen Nimbus entgegentrat, welchen die zufällige Aehnlichkeit mit dem alles Erhabenste verkörpernden Urbilde über seine hohe Gestalt verbreitete, so fand er bei dessen Kälte, und namentlich beim Anblicke des Waffentableaus, seine ganze Haltung wieder, und fühlte sich eben als Mann einem Manne gegenüber. —

Sembrick setzte sich, den Brief weglegend, in seinen Lehnstuhl, wies Arnold einen nebenstehenden und begann: „Die gemeinschaftliche Bekannte, welche ich meinerseits eine theure, hochverehrte Freundin nennen darf, spricht den Wunsch aus, daß wir einander kennen lernen, und es kann mir nur zum Vergnügen gereichen, ihn zu verwirklichen. Es könnten, wie ich ihre Lage kenne, Verhältnisse eintreten, die ein Zusammenwirken ihrer wahren Freunde erwünscht machen, und sie scheint in diesem Sinne auf Sie zu zählen.“