„Unterbrechen Sie mich gefälligst nicht. Es fehlt nicht an naheliegenden Beweisen, oder vielmehr an nahestehenden — sagte Bernhard, über sein nicht sehr gelungenes Wortspiel lächelnd. Auch wurde der Bau des protestantischen Bethauses vor jenem der Kirche unternommen.“
„Ich muß mir die Bemerkung erlauben, — warf Arnold ein — daß unsere Protestanten, dermalen über dreihundert, eines Gotteshauses gänzlich entbehrten, während der Gottesdienst der Katholiken niemals unterbrochen wurde.“
„Ich habe Sie nicht zu mir bitten lassen, werthester Herr, um Ihnen irgend Etwas zu sagen, was wie ein Vorwurf klingt. Im Gegentheile bin ich beauftragt, Ihnen vorläufig, bis es auf solennere Weise geschehen wird, zu sagen, daß die Kirche Ihrem Vater für den jüngsten Beweis seiner Treue dankt, und ich, — der ich während der Krankheit unseres Prälaten dem Kloster Sankt Martin vorstehe, erfreue mich insbesondere solcher Gesinnung, da, wie Sie wissen, diese Pfarre von uns aus besetzt wird.“
„Mein Vater kann nicht genug danken für die Wahl des Priesters, der nun seit drei Jahren zum Segen der ganzen Gegend dieses Amt bekleidet.“
„Hierbei habe ich kein Verdienst; unser Prälat hat damals — freilich schon bei geschwächtem Gesundheitszustand — diese Wahl getroffen. — Doch zur Hauptsache. Die Einweihung der auf Kosten Ihres Vaters erbauten Kirche wird in einigen Wochen stattfinden. — Ich kann Ihnen mittheilen, daß Se. Erzbischöfliche Durchlaucht die Absicht haben, diese Feierlichkeit in eigener Person vorzunehmen, um ihr, zur Erbauung der in jener Gegend besonders der Stärkung bedürftigen Gläubigen, den größten Glanz zu verleihen. — Es würde jedoch sehr guten Eindruck machen, wenn Ihr Vater in dieser Beziehung ein Bittschreiben an den Herrn Erzbischof richten würde. Es bietet sich hierdurch Ihrem Vater eine ihm gewiß erwünschte Gelegenheit, seine Gesinnungen in einer so bestimmten Weise auszusprechen, daß in Betreff des Schutzes, welchen das katholische Element in Korbach gegen das weitere Umsichgreifen der Irrlehre von ihm zu erwarten berechtigt ist, nie mehr einem Zweifel oder einer Besorgniß Raum gegeben werden kann. — Sie verstehen mich. Ich habe von den wohlwollenden Intenzionen des Herrn Erzbischofs erst vor wenigen Minuten einen Beweis erhalten, indem Se. Durchlaucht angedeutet, daß sie die Freigebigkeit Ihres Vaters zur Kenntniß des päpstlichen Nunzius zu bringen vorhaben, — — worauf vielleicht von Seite des heiligen Vaters ein ehrendes und beglückendes Zeichen der Befriedigung erfolgen dürfte, welche seinem apostolischen Herzen solche Handlungen der Pietät gewähren.“
Pater Bernhard hielt inne und schien die Wirkung dieser Rede abwarten zu wollen. Als Arnold ruhig, bescheiden, ernst und schweigend stehen blieb ohne eine Miene zu verändern, fuhr er mit schlecht verhehlter Gereiztheit fort: „Ich ersuche Sie, werthester Herr, diese Mittheilung ganz vertraulich Ihrem Vater zu machen, welcher, ich bin davon überzeugt, ihre Bedeutung zu würdigen wissen wird.“
„Ich werde mich beeilen, den Auftrag Ew. Hochwürden zu erfüllen.“
— — Arnold empfand beim Weggehen keine drückende Gespensterfurcht mehr. Es war ihm, als ob der gefürchtete Geist ein Mensch geworden und vor ihm gestanden, und den fürchtete er nicht.
* *
*
Er fühlte die Nothwendigkeit mündlicher Besprechung mit seinem Vater. — Der nächste Morgen trifft ihn im Bahnhofe.