Durch die Fläche, das glänzende Meer von Licht und Widerschein, fliegt der Train den blauen Bergen zu. — Nach zwei Stunden umrauschen ihn statt der Kornfelder die Zwergföhren, womit die steinige Ebene bepflanzt ist, — der Vortrab des gewaltigen hohen Waldheeres auf den Zinnen der ewigen Stadt Gottes, des Hochgebirges: schon unterscheidet man ihre Felsenmauern und schneebedeckten Thürme, und bald umschließt sie die Reisenden in den sonnedurchglühten Waggons, und labt sie mit Harzduft und Wasserrauschen.

In Pottenbach ist längerer Halt. Der aus Süden kommende Train begegnet hier jenem Arnold’s. Sein Blick ist nach einem hohen fernen Felsen gerichtet, auf der Höhe der Föhrleiten.. der zackige Stein ist auch jenseits vom Freinhofe sichtbar; — so nahe!! — — Hoch über die Gruppe der den andern Train abwartenden Reisenden wegsehend, gewahrt er nicht den Baron, der, abseits an eine Säule der Halle gelehnt, ihn einen Moment anblickt und sich langsam abwendet.

Die Dampfpfeife schrillt durch Arnold’s Gedankenmelodie — wie damals Knorr’s Stimme durch das erste Gespräch mit Julie, — die Lokomotive stößt den zischenden Athem aus der ehernen Lunge — in einer Minute fliegen er und Sembrick auseinander, — leiblich wie es bereits geistig geschehen. — In Frauenwang verläßt Arnold die Bahn; ein leichter, offener Wagen mit kräftigen Pferden wird im Orte gemiethet und führt ihn dem Korbachthale zu.

Er erreicht es am späten Abende. Noch durch eine Waldschlucht, einen Felsenpaß und weit und offen liegt es vor ihm. Die Glocke des Hochofens, das Pochen der Hämmer, das Brausen der gewaltigen Wehre begrüßen ihn, durch den blauen Schleier, welchen Abendduft und Rauch der Schmieden über den Thalgrund breiten. Nun fliegt der Wagen vorüber am mächtigen Bau, wo die Walzen den Begriff der Härte verneinen und das Metall unter ihrer Gewalt die Rolle des Wachses spielt, — am Drahtzuge mit den hundert schnurrenden Spulen, am Hammerwerke, aus dessen offenen Thüren der Feuerschein bis auf die Brücke fällt — die von der Straße abseits zum Wohngebäude führt.... nun durch die alten Linden und Tannen des Parks — und das Ziel ist erreicht.

— — Das Abendessen stand noch auf dem Tische. Ein heller, vierfacher Klang tönte durch das Zimmer, als Arnold eintrat.

Das mußte ein freier, lichter Gedanke, ein gottgefälliger Wunsch sein, — auf dessen Erfüllung diese vier Männer ihre Gläser zusammenstießen: — — Arnold’s Vater — ihm gegenüber Sprenger, — neben ihm der katholische Pfarrer und der Pastor.

Clair-obscur.

Die beiden Geistlichen zogen sich bald zurück, da sie annahmen, daß nur eine wichtige Ursache Arnold’s schneller Rückkehr nach Korbach zum Grunde liegen könne. — Dieser, wissend daß sein Vater kein Geheimniß für Sprenger habe, erzählte, und nahm so viel vom Freinhofe in seinen Bericht auf, als eben hinreichte, um den Zusammenhang nicht sowol zu erklären als zu verwirren.

„Wo der Wind hinweht, ist klar“ — meinte Sprenger.