„Abgelehnt!“ sagte der Gatte, schneller begreifend. —

Arnolds Schweigen war die beste Politik. Das Gespräch hatte geringe Lebensfähigkeit und gefror zu zwei oder drei Eisblöcken von Redensarten, welche dießmal von keinem Gnadenblicke der Dame geschmolzen wurden. — —

Als das Paar allein war, wehte auf Blauhorns Stuhllehne die Siegesfahne. Jetzt dankte er Gott, nicht die Lokomotive zu sein. „Marianne, sagte er, laß dir dieß zur Warnung sein, keine Intriguen ohne mich einzufädeln! Zu so etwas muß man geboren sein.“ Sie verließ das Zimmer ohne ihn einer Antwort zu würdigen. Sie fürchtete sich allerdings, beim Grafen kompromittirt zu sein, doch hatte sie keine Wahl gehabt — oder vielmehr nur die Wahl, auf andere Weise kompromittirt zu werden, — wie sich später zeigen wird.

In Pater Bernhards Wohnung wurde Arnold von der Mittheilung überrascht, daß derselbe nach St. Martin abgereist, und den Auftrag hinterlassen habe, ihn zum Sekretär des Erzbischofs zu führen. Dieser empfing ihn mit den noch überraschenderen Worten, Se. Erzbischöfliche Durchlaucht habe befohlen, ihn zu melden.

Nach einigen Minuten stand er vor dem höchst ehrwürdig aussehenden greisen Priester, welcher mit freundlichem, mildem Blicke und leichtem Neigen des Kopfes seine Verbeugung erwiederte und mit sanfter Stimme sagte: „Ich habe Ihnen, werther Herr Korbach, bereits im Allgemeinen durch den Herrn Prior von St. Martin mittheilen lassen, daß ich die Einweihung der Kirche in Korbach vornehmen werde, und kann Ihnen nun sagen, daß ich am Mittwoch über vierzehn Tage daselbst eintreffen werde. Ich weiß, daß hierdurch auch ein frommer Wunsch Ihres Vaters erfüllt wird, welchen er wohl, Angesichts einiger früherer unliebsamer Vorgänge, Bedenken getragen haben dürfte auszusprechen. Ich komme demselben mit Freuden zuvor, da die Dinge in Korbach eine gute Wendung nehmen. Es soll der Gesinnung Ihres Vaters an einer kräftigen Unterstützung von Oben nicht fehlen, ich gedenke dieß bei meiner Anwesenheit zu beweisen. — Sollte Sie in Zukunft ein Anliegen zu mir führen, so werde ich für Sie immer zugänglich sein.“

Ein Schritt zurück und eine freundlich entlassende Bewegung mit Hand und Kopf schnitten jede Gegenrede Arnolds ab, selbst wenn er eine solche bereit gehabt hätte. — Die Audienz war zu Ende. Nach der Abschiedsgebehrde konnte er nur bleiben, wenn er ein Schreiben des Vaters aus der Tasche zu ziehen hatte. Daß er keines habe, hatte der kluge Kirchenfürst beim ersten Blicke vermuthet und war nach den ersten zehn Worten davon überzeugt, da er keine Anstalt sah, ein Derlei zu Tage zu fördern. — Und eigentlich hatte er auch kein Schreiben erwartet, sondern — den alten Korbach selbst. — — Ein sehr bezeichnender Unterschied zwischen der geistlichen und weltlichen Gewalt lag in der Weise, wie Beide die Ablehnung behandelten. Der Erzbischof läßt es gar nicht zum Aussprechen des Nein kommen, nicht einmal gegen Pater Bernhard. Er weiß was ist, er hat ins Herz geschaut, und das genügt. Die weltliche Gewalt begnügt sich nicht mit faktischem Wissen und Handeln, sie hat noch menschliche Leidenschaften, keine Rancünen, sie zeigt Gereiztheit. Die Kirche läßt es nicht auf den Punkt kommen, daß sie beleidigt sein muß, bevor sie es angezeigt findet. — Arnold erschien sein Vater wie das arme Volk in der offiziellen Zeitung bei der Durchreise eines allgeliebten Herrschers; haben zehn Menschen gerufen, so ist es tausendstimmiger begeisterter Jubel. Hat sich kein Mund geöffnet, so ist die Rührung keine lärmend ausbrechende, aber eine um so tiefere. — Sein Vater mußte sich nach dem Erzbischof sehnen, laut oder stumm. — — —

Nächsten Morgen begrüßte ihn, da er eben die trübe Sündflut des ganzen unerklärlichen ihm widerlichen Getriebes überschaute ohne Land zu entdecken, eine Taube mit einem Oelzweig, — ein Brief Helenens.

Sie schrieb:

„Nach deiner Abreise abermalige Conferenz, zu der ich gerufen wurde. Ich sagte von Günthers Ansicht über ein Freinhof-Komplott Alles, was ich sagen konnte ohne deinen mir anvertrauten Herzensschatz zu enthüllen. — Niemand findet eine Erklärung. — Günther, Sprenger und ich haben verschiedene Meinungen.

Günther hält nach deiner Erzählung den Freinhof für ein Gewebe, wo mitten die Spinne sitzt, welche auch Julien umklammert, und nach allen Seiten hin ihre misteriosen Fäden nach den Fliegen ausspannt.