„Für mich war immer Alles rein, Julie, wo die Welt trübe sah — wenn ich aber alles Willkürliche, alles Unberechenbare an Ihnen begreife, so fasse ich das Eine nicht, wie Sie hier — so nahe jener Stelle, nach welcher Kollmann drohend den Arm ausstreckt wie ein Wegweiser zur Hölle, — wohnen, — auch nur eine Stunde frei athmen können; und doch war der Freinhof Ihr Gedanke!“
„Und das glaubten Sie? weil Sie hörten, daß ich den Plan angegeben, das Werk gefördert? Er hat es gewollt, — ein Nein gibt es ja nicht. Er mochte denken, dieser Ort hält das Bild lebendig, vor welchem wie vor dem Medusenschilde jeder Gedanke des Widerstandes erstarrt. — Vielleicht will er ihn auch überwachen. — Und neben der großen teuflischen Idee das kleine Gewimmel von klugen Berechnungen und Vorahnungen, wie der Freinhof so herrlich allen Zwecken entsprechen werde, wie da ganz anders auf Jeden gewirkt werden könne, jedes Wort einen andern Klang habe, wenn es die Weiber beim Ton der Zither, die Männer beim Male nach der Jagd vernehmen! — daß ich hier frei athme? wenn ich den Nächten der ersten Woche nicht erlegen, so war es gewiß, daß ich in der zweiten Ruhe fand, in der dritten die Besuchenden empfing, wie Kollmann gebot. — Ich bin eines stillen Hinliegens in ewigem Schmerze nicht fähig. Daß aber die Thränen jener Stunden, wo ich verzweifeln möchte, hinreichen werden, um das frohe Lachen der andern zu verlöschen, wenn es als Sünde in mein Schuldbuch geschrieben wird, das hoffe ich so gewiß, als ich mit Arnold an endliche Sühnung jeder Schuld glaube.“
„Vielleicht würde auch er fühlen, wenn ihm Ihr Schicksal enthüllt wäre, daß es Lagen gibt, wo der Mensch erst dann vergibt, wenn Gottes Gericht über den Schuldigen hereingebrochen, — so wie Gott vergeben mag, wo die Menschen gerichtet —!“
„Edmund —!“ rief Julie — — es war ein Aufschrei des Entsetzens — ihr Blick eine Bitte um Erbarmen — —
Er faßte ihre Hand und sprach bedeutungsvoll: „Vergebung! Julie! — — Noch sehe ich keinen Ausweg, kein Licht. — Ich verlasse Sie, um nach dem Ort zu reisen, wohin Sie nicht denken sollen ohne sich zu erinnern, daß ich in einem schwereren Kampfe gesiegt als der, dem ich entgegengehe!“
„Ich habe Gott darum gebeten, und er hat mich erhört“ —
„Er wird auch Ihr zweites Gebet hören! — in wenig Tagen bringe ich Ihnen Nachricht.“
— — Er schied, und Julie las in seinem letzten Blick voll Schmerz und Liebe, daß Gott ihr Gebet nicht erhört habe. Das war noch nicht die hohe, ruhige Flamme, die aus dem Auge des Siegers leuchtet — es war nur Ergebung, — nicht Erhebung.
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