Sembrick kehrte von der Reise, welche zum Zweck hatte gewisse Verhältnisse an einem Orte, wohin wir ihm später folgen werden, zu erkunden, am vierten Tage seiner Verheißung gemäß, zurück.

Mit sichtlicher Betroffenheit vernahm er, daß Kollmann mit Julie den Tag zuvor den Freinhof verlassen. Es war einiges leichte Reisegepäcke mitgenommen worden. — Das Wohin wußte Niemand.

Vergeblich sann Edmund nach. Was Kollmann begann, wurde selten klar, ehe es durchgeführt war. Er fragte nach Knorr; es war möglich, daß dieser mehr wußte als die Diener.

Man wies ihm dessen Wohnung, welche übrigens vom ganzen Thalgrunde aus sichtbar war. Hart am Ende des Parks, der den Hof umgibt, erhebt sich eine steile, kegelförmige Anhöhe, mit Fichten rings bewachsen, auf deren Gipfel altes Gemäuer steht: die Ruine einer Kapelle und eines Gebäudes, welches einige Mönche vor Jahrhunderten bewohnt haben mögen. Kurze Zeit vor Erbauung des Freinhofes hatte Knorr, auf dessen Vergangenheit wir später zurückkommen werden, den Waldkegel sammt der Ruine von der Grundherrschaft, dem Kloster St. Martin angekauft, das Gebäude so weit herstellen lassen, daß es nun einige freundliche Wohnzimmer und eine Küche enthielt, und sich mit einer alten Bäuerin, welche seinen Haushalt besorgte, darin festgesetzt und gegen Alles behauptet, was, wie wir sogleich hören werden, aufgeboten wurde, um ihn zu vertreiben. Der übrige Theil der Ruine blieb in dem Zustande, worin er sie gefunden.

Als Sembrick den Waldpfad hinanstieg, hörte er Schüsse in kurzen regelmäßigen Zwischenräumen und fand Knorr auf dem kleinen Plateau vor seiner Wohnung beschäftigt, aus einem achtläufigen Revolver nach einem, die Spuren zahlloser Kugeln weisenden, Baumstamme zu feuern, auf welchem mit Kreide Buchstaben, Kreise und sonstige Figuren gezeichnet waren. Auf der Bank vor der Hausthüre lag ein ganzes Arsenal von vier-, sechs- und achtläufigen Revolvers nebst Kugeln u. s. w.

„Gegen wen, lieber Knorr — rief der Baron — vertheidigen Sie denn Ihr Raubnest mit einem so mörderischen Feuer?“

„Gott zum Gruß, verehrter Baron, man muß sich auf dieser Welt voll ewigen Friedens stets in der Verfassung erhalten, nöthigenfalls ein Licht auszuschießen, brenne es auf einer Millykerze oder in einem Kopfe!“

„Lassen Sie einmal sehen!“ erwiderte Edmund, dem es darum zu thun war, Knorr näher kennen zu lernen, den er bis dahin wenig beachtet hatte, aber nach Reilands Mittheilungen nun nicht für unbedeutend hielt. „Ich bin auch keiner der schlechtesten Schützen!“