Mehr als einmal hatte Sprenger zum Ankaufe Altenbergs gerathen. Sein Vater hatte eingeworfen, Richtmeyer könne keine neue Maschine aufstellen, mit den alten nichts Großes unternehmen und wenn er jetzt für die verschuldete Besitzung 60,000 Gulden verlange, werde noch ein Moment kommen, wo er froh sein werde, die Hälfte zu erhalten. — In der letzten Zeit hatte das Werk völlig stillgestanden. Man sprach vom Konkurse. Der alte Korbach hielt nun den Zeitpunkt für passend, ließ sich nach den Disposizionen des Besitzers erkundigen, und hörte, daß Richtmeyer rangirt werde, — die Fabrik als solche aufgeben, das kleine Gut aber bewohnen und bewirthschaften wolle. Damit schien alle Gefahr beseitigt.
Noch war wenig zu besorgen, wenn nicht die Fehde mit Kirche und Staat dazwischenkam. —
Der alte Korbach hatte Minister- und Sistemwechsel, Revoluzion und Reakzion erlebt, und dem alten festgegründeten Bau seines Kredits war kein Stein ausgebrochen, an seinen Verbindungen mit den bei den großen Lieferungen maßgebenden Behörden nichts gelockert worden. — Er war bei vielen Gelegenheiten entschieden, ja schroff aufgetreten, aber sein Karakter und die Solidität seiner geschäftlichen Gebahrung hatten das alte Monopol der Korbacher Werke trotz kleiner persönlicher Reibungen und trotz der ihm seit Jahren feindlichen Gesinnung der ultramontanen Partei aufrecht erhalten. Als er selbst nach einem Konflikte mit dem Minister, aus Anlaß der erwähnten Eingabe über den Freihandel, im Besitze aller Aufträge blieb, stieg seine Zuversicht noch höher.
Das Alter wird den Mann entweder zu mißtrauisch gegen seine Kraft und sein Glück machen, oder allzu zuversichtlich, je nachdem er auf mehr zur Frucht gereifte, oder auf mehr in der Blüte geknickte Hoffnungen von der Warte seiner sechzig Lebensjahre herabsieht. —
Die lange Reihe von erfolggekrönten Bestrebungen ließen ihn keinen Gegner mehr fürchten. Fast hätte er sich mit seinem ältesten, treuesten Freunde überworfen, als dieser mit der höchsten Entschiedenheit gegen die protestantische Einwanderung auftrat. „Das ist der Anfang vom Ende,“ hatte Sprenger gesagt — „ist dein russischer Feldzug. Die Kirche ist wie Rußland, — verbrennt ihr eignes Moskau, wenn sie den Gegner nicht anders bezwingen kann.“
— — Arnold schrieb die wichtige Nachricht sogleich nach Korbach. Die kurze Antwort lautete dahin: „die Altenberger könnten vor einem Jahre ohnedem nicht arbeiten; der bis dahin wahrscheinlich fertige Flügel der Westbahn nach Korbach paralisire den Vortheil, den jenen die Südbahn gewähre. Die Fabrik habe andere Zeiten und Konkurrenten ausgehalten.“
Dieser Auffassung gegenüber war Arnold’s Weg klar vorgezeichnet. Er konnte über seine Aufgabe nicht in Zweifel sein: nach Kräften in jenen Richtungen ausgleichend zu wirken, wo das Naturell und die unbeugsame Haltung seines Vaters Verwicklungen herbeigeführt. — So sprach er zu sich als Sohn. Ein Fremder würde es rücksichtsloser so ausgedrückt haben: der junge Korbach fühlte, daß er gut machen sollte, was der Alte verdarb, — den Schaden abwenden, den die übrigens respektable Hartnäckigkeit desselben zu verursachen drohte.
Dieß war leicht begriffen und schwer ausgeführt.
Er kannte außer Günther Niemanden, mit dem er sich berathen wollte. Den sehr gewandten und treuen Geschäftsführer, der den kommerziellen Theil aufs Gründlichste verstand, glaubte er so wenig als irgend einen Andern in die neuentstandene Situazion zu früh einweihen zu sollen: es war dieß einer jener Gegenstände, welche zu einer Macht werden in dem Augenblicke, wo man sie bespricht und anerkennt. Sprach Korbach eine Besorgniß aus, so war sie für den Zweiten Furcht, für den Dritten Eingeständniß, der Konkurrenz nicht gewachsen zu sein.
Mit seinem Freunde hatte er desto häufigere Unterredungen. Sie kamen fast täglich in dessen Wohnung zusammen.