Günther hatte ein mit echten, alten, durch viele Jahre mit Kennerblick gesammelten Stücken eingerichtetes Zimmer. Den Raum an den Wänden, welchen die geschnitzten Kasten und Kästchen frei ließen, deren Oberfläche mit lauter antiken Seltenheiten bedeckt war, nahmen Gemälde ein, und durch alle Zwischenräume in den Ecken, an den Fenstern, schlängelte sich üppiger Efeu empor. — Einiges mahnte an Sembrick’s Salon — aber ins Wohnliche, Traute, Gemüthliche übersetzt. —
Die Freunde saßen auf einem mit Rohr ausgeflochtenen hochlehnigen Sofa, das sich in rechtem Winkel um den massiven Tisch von natürlicher Holzfarbe bog — — und entwarfen Schritt für Schritt ihre Operazionspläne.
— „Wie stehts mit dem Marine-Kommando?“ begann Günther.
— „Ich habe heute mit Bianchi gesprochen, der das hiesige Haus der Franchini führt, durch welches das Kommando Alles verhandelt. Bianchi stellt viele weitere Aufträge in Aussicht. Die jetzigen betreffen die breiten Messingplatten.“
— „Mit denen können die Altenberger mit ihren dermaligen Maschinen nicht aufwarten. Aber wenn dein Vater sich mit der gesammten Geistlichkeit und Staatsgewalt überwirft, so wird die Letztere, da kaum eine Fabrik außer Eurer darauf eingerichtet ist, mit dem Auftrag nach England gehen.“
— „Das geschieht nicht, so lange Prinz August Ernst das Marine-Kommando führt, der entschieden darauf besteht, die einheimische Industrie nicht zu übergehen. Aber die weiteren Aufträge sind solche, die jedes gewöhnliche Walzwerk ausführen kann, und für diese fürchte ich. Ich bin entschlossen, nach — (wir nennen nicht die südliche Hafenstadt, wo das Marine-Kommando seinen Sitz hat) zu gehen, und habe dem Vater um Erlaubniß geschrieben.“
— „Ich verschaffe dir Briefe, die dich gleich auf den rechten Boden stellen. Du darfst nicht als Ansuchender kommen, sondern an einem Draht von oben herabgelassen. Von oben heißt für Franchini von Rothschild. Bis übermorgen hast du das zärtlichste Empfehlungsschreiben, worin dieses Haus jemals eine Anweisung auf seine Liebe ausgestellt hat.“ —
— „Vielen Dank. Ich gedenke aber zum Prinzen selbst vorzudringen, kurz zu sagen, daß wir jeden Auftrag als gute Patrioten billiger als jeder Andere vollziehen, daß das Vermögen meines Vaters ihm erlaube, nicht auf Gewinn, sondern auf die Ehre zu sehen u. dgl.“
— „Das wird dir Alles nichts nützen, wenn du nicht den festen Kontrakt schneller in die Hand bekommst, als man von hier aus operirt. Ihr seid jetzt die bête noire der ganzen Coterie — seid plötzlich so berühmt, daß selbst die Prinzessin, die Mersey, Plomberg“ — —
— „Plomberg? wie kommt der dazu?“