Entscheidend für Klotilde waren Günther’s Worte gewesen: „Eine Persönlichkeit, welche die halbe Residenz kennt.“ — Wer war der Mann? Eine Celebrität jedenfalls; genug für sie, um nachsichtig zu sein. Der größte Milderungsgrund lag aber jedenfalls darin, — daß er ihr ausnehmend gut gefallen hatte.
Die Versöhnung war wider Erwarten schnell und vollständig. Er brachte nun, nachdem sie unter vielen Seufzern von ihrem Manne erzählt, das Gespräch auf Kollmann und erfuhr, daß sie diesen bei dem Advokaten, der Zeltner vertheidigte, kennen gelernt, und von ihm nach seiner Besitzung geladen worden. Julie nannte sie das liebenswürdigste Geschöpf unter der Sonne, und ließ durchschimmern, daß sie sie für unglücklich halte.
„Ich habe von Kollmann eine schlechte Meinung, sagte Günther. — Vielleicht wäre das Paar glücklicher, wenn sie Kinder hätten?“
— „Möglich, aber nicht wahrscheinlich. Uebrigens werden sie nie welche haben, wie ich die Verhältnisse im Freinhof kenne.“
— „Im Freinhof? sagte Günther mit einem seiner schändlichsten Gesichter — also lokale Ursachen? Sollen da eigenthümliche geognostische Verhältnisse einwirken?“
— „Können Sie denn nicht einen Augenblick honett und ordentlich sprechen?“
— „Ich will es versuchen, auf die Gefahr hin Ihnen dadurch zu mißfallen. Haben Sie für Ihre Vermuthung des Aussterbens der Dinastie Kollmann kein faßlicheres Gewand?“
— „Wenn Sie nicht den abscheulichen Betrug gespielt hätten, und wirklich das wären, wofür Sie sich ausgaben, so würde ich Ihnen mehr sagen. Es genüge Ihnen, daß ich als Frau meine Vermuthungen habe. Ich glaube, daß keine bestehenden Verhältnisse, sondern eben nicht bestehende Verhältnisse daran Schuld sind, und jetzt halten Sie Ihren gottlosen Mund.“
— „Nur Einen Versuch erlauben Sie mir, Sie zu übertreffen! Sollte Kollmann, den ich vor der Welt für ein schlechtes Subjekt halte, im Geheimen ein so edler Mensch sein, daß er“ —
Klotilde schlug ihn nun wirklich mit ihrer hübschen weißen Hand auf den Mund und rief: „Was zu viel, ist zu viel!“