— „Verzeihung! ich wußte nicht, daß Sie über Kollmann nichts Unangenehmes hören wollen!“
— „So viel Sie wollen; ich habe mich nicht über ihn zu beklagen, aber ich glaube, er handelt gegen Julie ganz schlecht.“
— „Das glauben Viele; wenn er schlecht ist, ist er aber gewiß eben so klug.“
— „Nach dem, was er schon durchgesetzt, gewiß. Vor drei Jahren hat er als kleiner Fabrikant angefangen, jetzt kauft er eine Besitzung nach der andern, hat ein Paar fremde Orden, und vor einigen Tagen erst wurde er zum Konsul ernannt, ich weiß nicht, von welchem Großherzog.“
— „Er hat jedenfalls hohe Verbindungen. Man sagt, sein Hauptprotektor sei der Prinz Ernst August.“
— „Das ist mir neu, und ich bezweifle es, da ich zufällig viele Details vom Prinzen weiß.“
— „Ich sage nur, was die niederträchtige Welt behauptet. Es heißt, Kollmann habe Schritte gethan, um zu gewissen Zwecken die Gunst des Prinzen zu gewinnen; sie seien nicht ohne Erfolg gewesen, und er erwarte den Haupteffekt von der reizenden Persönlichkeit seiner Frau. Sie kennen wahrscheinlich die Empfänglichkeit des Prinzen für das rein Schöne, und wenn dieser Coup gelingt, hat Kollmann seine Schäfchen im Trocknen.“
Klotilde schwieg. Ein ganzes wildes Heer von Gedanken jagte durch ihren Sinn. „Dieses hübsche Projekt, sagte sie endlich, würde jedenfalls an dem Umstande scheitern, daß diese Frau nie, nicht um die Welt, in irgend etwas willigt, was gegen ihre Begriffe von Ehre ist!“
— „Das liegt vielleicht gar nicht in Kollmanns Absicht. Die Wirkung einer einzigen Entrevue in allen Ehren, die gehobene Stimmung des Prinzen, wenn er ein Paar Minuten mit einer reizenden Frau spricht, werden wohl hinreichen, einem Anliegen den Weg zu ebnen.“