Klotilde war nachdenklich und ernst geworden. Günther sah, daß der Funke fortglimmte und warf gleichgültig hin: „Das sind lauter on dit, Vermuthungen, — aber daß Kollmann nicht versäumen wird diese Mine springen zu lassen, sobald er nur einmal den Weg zum Prinzen gefunden, bezweifle ich nicht. Und den kann man ihm nicht versperren!“

— „Und doch wäre dieß eigentlich eine Pflicht gegen die arme Frau, die allein darunter zu leiden haben wird.“

— „Ja wohl, aber wer kann das! Wer vermöchte dem Prinzen die Augen darüber zu öffnen, was dieser Kollmann für ein Subjekt, wenn die Augen einmal geblendet sind? — vielleicht vorher!“

— — Günther lenkte nun das Gespräch auf andere Gegenstände. Er hatte mit Klotilde in einem kleinen Kiosk Platz genommen — die Sonne ging unter, die Stunde des Abendtrains war nahe.

Sie gingen durch die dunkle Allee zurück, — zu dunkel, um sammt unserem Sehrohre entscheiden zu können, ob der Händedruck, mit dem sie später im beleuchteten Bahnhofe Abschied nahmen, das einzige Pfand des Wiedersehens gewesen. —

— — Günther verglich auf der Rückfahrt unwillkürlich seine heutigen Erlebnisse mit dem Besuch beim Professor, wo er mit aller Berechnung zu Werke gegangen und eine völlige Niederlage erlitten. Heute war er, kaum mit einer Ahnung die Angelegenheit Arnolds hineinflechten zu können, auf ein improvisirtes Abenteuer ausgegangen, und hatte vielleicht Etwas für ihn gewirkt.

Er versprach sich jedoch nicht viel von Klotildens Dazwischenkunft, da er von einer irrigen Voraussetzung ausging.

Er glaubte sie reise nach der Hafenstadt, um ein verlornes Kronland wieder zu erobern. Sie reiste aber hin, um sich, nach gehörigem Widerstand, erst erobern zu lassen.

Wie der Zufall Günther immer zu den prägnanten Momenten führte, — zu einer Feuersbrunst, wenn sie ausbrach, — während Andere regelmäßig mit der landesfürstlichen Spritze, das heißt zum Verlöschen eintreffen, — so war er allerdings in dem Augenblicke aus dem Theater getreten, wo der Adjutant des Prinzen dem Wagen Klotildens nachfuhr. — Aber der Prinz hatte sich von der Loge herab in derselben Weise verrechnet, wie Günther im Waggon. Sie war größer in ihrem genre, als die Leichtigkeit der ersten Annäherung vermuthen ließ. — Beide erriethen sogleich die Serie, irrten sich aber in der Nummer. —

Sie hatte, früh verwaist, durch den Vormund in einer Pension untergebracht, diese verlassen, um in ein gräfliches Haus zu treten, als Gesellschafterin der beiden Komtessen, nicht aber des jungen Grafen, was dieser zu glauben schien. Das Ende der alten, immer neuen Geschichte, die dießmal kein Herz entzwei brach, sondern nur ein Paar Schwüre und ehrgeizige Hoffnungen, war, daß Klotilde den jungen Korrepetitor des Grafen, Zeltner, heiratete, welcher von der Familie im Kriegsministerium untergebracht wurde.