Im nächsten Augenblicke fuhr das leichte Fahrzeug knarrend auf den Sand und Arnold stand mit einem Sprunge am Ufer.

Julie reichte ihm mit reizendem Lächeln die Hand und sagte: „In solcher Lage gibt es keine Fremden! Lassen Sie mich erst danken, wenn Ihr Werk vollendet ist. Wir waren noch zur rechten Zeit hier gelandet, und ich habe, als der Sturm nachließ, unsern Fährmann nach dem Hofe hinübergeschickt, um unsere große Barke zu holen. Ich will sie aber nicht erwarten, sondern bitte Sie, mich nur gleich von diesem treulosen Zufluchtsorte wegzuführen, der das Leben mit eisigen Händen langsam aus den Gliedern zieht,... der See verschlingt es wenigstens in einer Minute.“ — „Vor Allem,“ sagte Arnold, „nehmen Sie das Einzige, was ich Ihnen zum Schutze bieten kann, meine Lodenjacke“ — er langte sie aus dem Schiffchen und sie hüllte sich lachend darein mit zwei raschen Bewegungen voll Weichheit und Grazie — „und nun meinen weichen grünen Hut“ — sie drückte denselben auf die dichten Locken — „und nun einige Tropfen Rum aus meiner Feldflasche“ — sie führte sie an die Lippen, deren hohes Nelkenroth die Kälte nicht zu bleichen vermochte.

Die zwei Tropfen mußten hingereicht haben, das unter Schnee wallende Blut zu beflügeln: die Wangen färbten sich sanft und der Perlenschimmer des Auges verwandelte sich in Brillantglanz.

Sie beugte sich einen Augenblick über eine glatte ruhige Stelle des Wassers zwischen den Steinblöcken und betrachtete ihr herauflächelndes Spiegelbild mit dem grünen runden Hut und der grauen, grünverbrämten Jacke.

Arnold hatte noch kein schöneres Weib gesehen.

„Das steht mir doch zehnmal hübscher als alle die albernen Coeffüren, zu denen meine Haare die Französinnen der Residenz begeistert haben!“ rief Julie zurücktretend aus und wendete sich nun mit den Worten: „Aber jetzt schnell ins Schiff, lieber Hofrath!“ an den kleinen Mann, der früher das gelbe Tuch geschwenkt hatte und auf dem Sande herumtrippelnd, prüfend und kopfschüttelnd das Fahrzeug und die Wellen betrachtete.

Arnold hatte beim Landen seinen Gruß kaum erwiedert. Er war empört beim Anblick des in einen dichten warmen Plaid gewickelten Mannes, während die Frau in leichtem Kleide mit offenen Ermeln der kalten Seeluft preisgegeben war. Er sagte: „Für den Fall, daß der Herr Hofrath länger hier zu verweilen gedächte, könnte mein Fährmann seinen langen Rock zu den Schutzmitteln fügen, womit ich ihn bereits ausgestattet sehe.“ —

„Ich verstehe Sie ganz wohl, junger Mann, — erwiederte der Angegriffene — und Sie haben anscheinend Recht. Diese Dame wird aber selbst meine Rechtfertigung übernehmen. Vor der Hand erkläre ich nur, daß ich diesem Nachen um keinen Preis die Last einer vierten Person aufbürden werde, sondern das Schiff vom Freinhof abwarte, und bemerke, daß Sie am besten thäten, meinem Beispiele zu folgen.“ —

„Und wenn der Great Eastern selbst um jene Ecke gedampft käme, — rief Arnold, etwas heftig, gegen Julie gewendet, — so könnte er Sie nicht sicherer hinüberbringen, als mein dem Herrn Hofrathe so unheimliches Fahrzeug! Meinem heutigen Glück können Sie sich ruhig anvertrauen!“ — Er setzte im Geiste dazu: „Lassen Sie doch diesen Hasenfuß bleiben, wo er will.“