Zweiter Auftritt

Sanfte Musik.

Lottchen tritt auf, ihren Strohhut anhängend.

Lottchen. Wo befinde ich mich? Welch ein angenehmes Tal! Gehör ich schon den Geistern an? Am Eingange des Waldes nahm mein freundlicher Führer von mir Abschied und sprach: Weiter darf ich dich nicht geleiten, doch folge deinem Herzen, und du wirst mich nicht vermissen. Ich ging und ging, und unwillkürlich hat es mich hieher gezogen. Dieses schöne Gärtchen, diese Hütte, wie wird mir so sonderbar bei ihrem Anblicke! Warum wird es auf einmal so stille, so ruhig in meiner Brust? Wer bewohnt sie? (Über der Tür erscheinen schnell die transparenten Worte: Die Zufriedenheit. In diesem Augenblicke ertönt ein sehr schmelzendes Adagio von einigen Takten.) Die Zufriedenheit? Der Vater sagte ja, die wohne nur in der Stadt? wie kommt sie hieher? Ich weiß es schon, sie wird in der Stadt erkrankt sein und gebraucht jetzt die Landluft. Ich will anklopfen und sie um Beistand bitten, vielleicht braucht sie ein Dienstmädchen, sie wird wohl eine vornehme Frau sein. (Klopft an.) Euer Gnaden, ein armes Mädchen möchte gern die Ehre haben—

Dritter Auftritt

Die Zufriedenheit. Lottchen.

Zufriedenheit (mit innerer Ruhe und heiterem Gemüte. Ihr Anzug
ist griechisch, eine einfache graue Toga, unbedecktem Haupt.
Sie tritt aus der Tür, einen Brief in der Hand).
Was verlangst du von mir, mein Kind?

Lottchen (erstaunt).
Wer ist denn das?

Zufriedenheit.
Nur näher, ich bin die Dame, die du suchst.

Lottchen.
Wirklich? Sie sind eine recht liebe Person, aber für eine
Dame hätt ich Sie nicht gehalten.