Zufriedenheit.
Nicht? Und doch bin ich noch mehr, ich bin die Königin dieses
Tales, und von meiner Stirne strahlt das Diadem der Heiterkeit—
Lottchen (fällt ängstlich auf die Knie).
Ach, so verzeihen mir Euer Hoheit, aber da wär ich in meinem
Leben nicht darauf gekommen.
Zufriedenheit. Steh auf! Du bist mir in diesem Brief, den ich vor kurzem erhielt, von mächtigen Geistern schon angekündet, und ich will dich in meine Dienste nehmen. Du hast wenig Geschäfte. Das Aufbetten wirst du ersparen, denn ich schlafe auf einem Stein. Küche und Keller werden dir wenig Mühe verursachen, denn mich nähren die Früchte des Bewußtseins, mich tränket die Quelle der Bescheidenheit.
Lottchen.
Ach, ich bin ja mit allem zufrieden!
Zufriedenheit.
Hast du denn meine Hütte so leicht gefunden?
Lottchen.
Ach ja, das ist ja nicht schwer.
Zufriedenheit. Glaubst du? Viele Tausende wandern nach mir aus und finden mich nicht, denn der dürre Pfad, der zu mir führt, scheint ihnen nie der rechte zu sein. Siehst du dort oben die bunten Auen, wo des Glückes Blumen farbig winken? (Deutet auf den Blumenberg.) Dort wollen sie mich finden, und je reizender der Pfad sie aufwärts lockt, desto tiefer entschwindet meine niedre Hütte aus ihrem getäuschten Auge. Denn wer mich ängstlich sucht, der hat mich schon verloren.
Lottchen.
Aber auf jenen hohen Bergen muß doch eine schöne Aussicht sein?
Zufriedenheit. Nicht für dich, mein Kind. Du gehörst ins Tal. Siehst du dort den hohen flimmernden Berg? Das ist die Alpe des Reichtums, und ihm gegenüber sein noch glänzenderer Nebenbuhler, der Großglockner des Ruhmes! Das sind schöne Berge, doch sende deine Wünsche nie hinauf, stark und erhebend ist die Luft auf ihren Höhen, aber auch der Sturmwind des Neides umsaust ihre Gipfel, und kann er die Flamme deines Glückes nicht löschen, so löscht er doch den schönen Funken des Vertrauens in deiner Brust auf immer aus.
Lottchen.
Das versteh ich nicht.