Aladin. Wenn ein Mann ein Frauenzimmer auf der Straße sieht, muß er sein Haupt zur Erde beugen und darf sie nicht ansehen, sonst ist er des Todes.
Florian. Wenn das bei uns der Brauch wär', da schaueten manche junge Herren den Frauenzimmern nicht so unter die Hüte.
Eduard. Ist das beim Fremden auch der Fall?
Aladin. Es kommen selten Fremde zu uns. Doch sind sie von diesen Gebräuchen ausgeschlossen, soweit es der Anstand gestattet, und es ist ihnen erlaubt, ehrerbietig ihre Hand zu küssen. Selten vergißt ein Frauenzimmer ihren Stolz. Wenn aber ein unwürdiges Betragen von einer den andern zu Ohren kommt, so empört sich auch ihr Gefühl so sehr, daß sie in großen Tadel über die Unwürdige ausbrechen.
Eduard. Das ist eben kein sicherer Beweis von eigener
Unverdorbenheit des Herzens.
Florian. Ah, das ist der Neid—mit mir reden!
Eduard. Ich danke dir für deine Auskunft und bedaure die Unglücklichen; sie würden wahrscheinlich edle Geschöpfe werden, wenn man ihren Handlungen weniger Zwang auflegen möchte.
Aladin. Bedauern? Sprich dieses Wort nicht aus in Gegenwart meines Herrschers, bei dem ich dich jetzt melden werde. Im Lande der Wahrheit ist niemand zu bedauern, als der, den die Götter mit Blindheit geschlagen haben, den unbedingten Wert unserer Handlungen nicht einzusehen. (Ab in den Palast.)
Florian. Geh der Herr zu.
Elfte Szene.
Eduard. Florian.