Simplizius. Weil ich blessiert bin und nicht ausrucken kann. (Deutet aufs Zahlen.) Wenn aber das geschieht, wenn sie mich einsperrn, Herr von Ewald—Sie sind mir schuldig, ich gebrauch' mein Recht, Sie müssen zu mir hinein. Wir sind Männer, wir werden unser Schicksal zu ertragen wissen. (Geht gravitätisch ab ins Haus.)
Elfte Szene.
Ewald (allein). Ha, ha, ha, ein gutmütiger Mensch, wenn er nur nicht so unerträglich einfältig wäre, mich dauert seine mißliche Lage. Morgen erhalte ich die Hälfte meines Honorars, davon will ich ihn unterstützen. Doch jetzt sei wirksam, Geist. (Dichtend.) Sechzehnte Szene, Gefängnis, Artur allein.
Warum muß ich im finstern Turm hier hausen,
Um den des Meers geschäftige Wellen brausen;
Ach, während Liebe stillt ihr froh Verlangen,
Hält mich der Haß hier trauervoll gefangen.
O Schutzgeist, der du meinem Traum dich zeigst
Und sanft dein Haupt zu mir hernieder neigst,
Leit' mich aus meines Kerkers düstern Bann,
Daß ich statt nutzlos sinnen, handeln kann.
Zwölfte Szene.
Voriger. Lucina ist während Ewalds Rede unter sehr leisen sanften
Tönen auf Wolken niedergesunken. Ein Genius trägt eine Fackel.
Lucina. Wenn du willst des Gedichtes Sinn auf dich beziehn,
So kann ich deines Wunsches regen Drang erfüllen,
Du sollst mit mir nach weit entfernten Landen ziehn
Und des Verlangens Glut im Tatenstrome kühlen.
Zu hohem Werken hab' ich deinen Mut erkoren,
Weil ich dein Herz und deinen Geist als rein ersehn.
Ewald. O glanzentzücktes Aug', zu seltnem Glück geboren,
Daß du so holder Göttin Reize darfst erspähn.
Lucina. Erstaune nicht, entwirf kein Bild von meinen Reizen,
Du bist zur Rettung eines mächt'gen Reichs erwählt,
Der Auftrag sei genug, um mit der Zeit zu geizen,
Drum werd' dir auch von mir das Nöt'ge nur erzählt.
Dich sollen Wolken nach Massanas Strande tragen,
Ein Land, in welchem Unglück heult in jedem Haus,
Und das vom Meer verschlungen wird in wenig Tagen,
Dort gibst du dich für einen Weisen aus,
Entstammend aus Ägyptens heil'gen Pyramiden,
Der nach Massana kommt, um dieses Land zu retten.
Und wenn der König enden will den Lauf hienieden,
Vergoldest du des Todes fürchterliche Ketten
Und forderst erst für diesen Dienst des Reiches Krone.
Ewald. Wodurch ich dies vollbring', kann ich noch nicht ergründen.
Lucina. Nimm diese Fackel hier, sie flammt in jeder Zone,
Wenn du sie kräftig schwingst, wird sie sich selbst entzünden,
Den Gegenstand, auf den du ihren Strahl willst leiten,
Wird zephirleicht in ihrem Zauberlicht verrinnen,
Narkot'sche Wohlgerüche um sich her verbreiten,
Und die Gestalt, die du ihm leihen willst, gewinnen.
Er wird im wundervollsten Rosenlicht sich zeigen,
Wie ihn die zartste Phantasie nur könnte malen,
Daß sich die Herzen alle liebend vor ihm beugen,
Und sanfte Rührung wird aus jedem Auge strahlen.
(Gibt ihm die Fackel.)
Verwahr' sie wohl, du wirst sie einst noch dankbar preisen,
Wenn tröstet dich ihr welterfreunder Wunderschein,
Doch nicht allein darfst du die Rettungsbahn durchreisen,
Dem kühnen Mut muß bange Furcht zur Seite sein.
Du wirst wohl selbst wo einen feigen Dümmling kennen,
Den eines Sperlings leises Rauschen schon erschreckt.