Zwanzigste Szene.
Dardonius. Höflinge. Ewald. Aloe entfernt sich vom Fenster.

Höflinge. Ein sonderbarer Mann, ganz unwert solcher Ehre.

Dardonius. Du bist des tapfern Mannes Freund?

Ewald (beiseite). Was soll ich sagen. (Laut.) Das bin ich, edler Fürst. (Für sich.) Die Schande drückt mich fast zu Boden, daß ich dieses dummen Menschen Freund sein muß.

Dardonius. Er ist ein Held, wie mir noch keiner vorgekommen ist, und hat dem Lande Wichtiges geleistet, drum magst auch du auf die Gewährung eines Wunsches rechnen.

Ewald. Es ist ein Wunsch, der sich mit dieses Landes Ehre wohl verträgt. Ich will dein Aug' auf deines Reiches höchste Schönheit lenken, die nur bis jetzt in stiller Abgeschiedenheit gelebt.

Dardonius. Bring' sie zum Fest, verdient sie den Preis, soll er ihr nicht entgehen, doch ungerecht darf ich nicht handeln.

Ewald. So kühn ist meine Bitte nicht. Nur magst du sie nicht selbst mit einem Kranz von Rosen schmücken, es müssen edle Frauen deines Landes ein Myrtendiadem auf ihren Scheitel drücken.

Dardonius. Es soll geschehn, find dich nur bald im Tempel ein, denn eh' noch Phöbus' Rosse aus Poseidons Fluten trinken, muß unser Fest beendet sein; damit die Nacht, die aller Schönheit Glanz verdunkelt, dem ruhmbeglückten Tag nicht seinen Sieg entreißt. (Geht ab, die Höflinge folgen.)

Ewald (allein). Es kränkt mein Herz, daß ich dich, edler König, täuschen muß, weil dir ein kühner Augenblick erschütternd zeigen wird, wie sechzig unbarmherz'ge Jahre der holden Schönheit Bild in Häßlichkeit verwandeln. (Geht ab, in Aloes Haus.)