Sie trat rasch einige Schritte zurück. ‚Was soll das?!‘ rief sie mit herber Stimme. ‚Es ziemt sich nicht zwischen uns.‘
‚Verzeihen Sie! Und doch, wenn Sie — wenn Sie vergessen könnten — —‘
Sie zog die Brauen zusammen. ‚Nun, nun, sprechen Sie weiter!‘
‚Es könnte noch alles gut werden‘, hatte ich sagen wollen. Aber ich brachte die Worte nicht mehr hervor. Denn ich empfand, wie hohl und nichtig eine solche Versicherung aus meinem Munde klingen müsse, und die unklare Vorstellung eines versöhnenden Ausgleiches, die sich meiner bemächtigt hatte, ging unter in dem Bewußtsein vollständiger Unkraft. Ich schwieg.
Sie betrachtete mich mit einem Blick des Mitleids. ‚Sehen Sie, Sie wissen selbst nicht, was Sie sagen sollen, und fühlen, daß wir für immer geschieden sind. Und nun bitte ich: das Kreuz.‘
Keiner Erwiderung fähig, ging ich an den Schreibtisch, suchte es hervor, und reichte es ihr. Sie nahm es und wickelte mit zitternder Hand die Papierhülle los. In ihrem Antlitz zuckte es schmerzlich, als jetzt ihr Blick auf das matt schimmernde Gold fiel. Ich sah, wie sie sich gewaltsam beherrschte, um nicht in Tränen auszubrechen. Ein Schüttern ging durch ihren ganzen Körper, sie mußte sich setzen. ‚Mein Gott! Mein Gott!‘ sagte sie still. Dann stützte sie die Stirn mit der Hand und begann leise zu weinen.
Ich wagte nicht zu atmen.
‚Es ist vorüber‘, sagte sie endlich, indem sie aufstand, und sich die Augen trocknete. ‚Leben Sie wohl!‘
Noch einmal war es mir, als sollte ich die Hand, die sie mir jetzt reichte, nicht wieder loslassen, sollte die herrliche Gestalt an mich ziehen, wie einst. Sie schien es zu fühlen, und rasch sich mir entreißend, schritt sie der Tür zu.
‚Ginevra!‘ stieß ich hervor und wollte sie zurückhalten. Aber sie winkte mir heftig abwehrend zu und verschwand. Ich sank auf den Stuhl, den sie eingenommen hatte, und blieb regungslos sitzen .....